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Die elf spektakulärsten Kriminalfälle am Bodensee

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Vom Babybrei-Erpresser bis zum Mord, der durch einen Bären aufgeklärt wurde - immer wieder passieren auch am Bodensee aufsehenerregende Kriminalfälle.

Schwäbische.de hat elf der meistbeachteten oder mysteriösesten Fälle der vergangenen Jahrzehnte zusammengetragen und weiß, welche Fragen die Ermittler bis heute beschäftigen.

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Ein männlicher Braunbär namens M13  – auch "Bruno" genannt  – ist vermutlich auf der Suche nach Essen, als er am 25. April 2012 in Tirol einen Baum umwirft. Der wiederum beschädigt eine Stromleitung, ein Feuer bricht aus. Während die Feuerwehr mit den Löscharbeiten beschäftigt ist, halten zwei Polizisten Ausschau nach dem Bären – und entdecken in einem Geröllfeld stattdessen die Leiche von Peter Hilber.

Herr Hilber, 40 Jahre alt und Familienvater, wird am 23. April 2012 von seiner Frau Tanja B. als vermisst gemeldet. Was zu dem Zeitpunkt noch keiner weiß: Tanja B. weiß ganz genau, wo ihr Mann ist. Denn drei Tage zuvor hat sie ihn zusammen mit ihrem heimlichen Geliebten Christoph M. heimtückisch ermordet.

Erst ein Jahr später steht fest: Peter Hilber musste sterben, weil er der neuen Liebe seiner Frau im Weg stand. Nachdem seine Leiche gefunden worden war, war die Spur eindeutig: Vor allem im Internet hatten Tanja B. und Christoph M. verräterische Spuren hinterlassen, seien es Suchbegriffe wie „Der perfekte Mord“ oder auf der Kommunikationsplattform Skype geschmiedete Mordpläne.

Im Landgericht Ravensburg beginnt nach dem Leichenfund einer der längsten und spektakulärsten Prozesse der Geschichte. 16 Verhandlungstage dauert es, bis am 20. Juni 2013 Tanja B. und Christoph M. endgültig des Mordes überführt werden können - lebenslänglich für beide. Der Bär M13 war in der Zwischenzeit auffällig geworden und zum Abschuss freigegeben, die Kugel traf ihn in dem Moment, als in Ravensburg der Prozess beginnt - lebenslänglich auch für ihn.

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Ein Mann schlendert am 16. September 2017 durch einen Supermarkt in Friedrichshafen. Lederjacke und Mütze wirken ein wenig unangebracht, ansonsten fällt der Mann wenig auf. Wer hätte gedacht, dass er wohl in diesem Moment Gläschen mit vergiftetem Babybrei in einem Regal auslegt.

Nach Angaben der Polizei handelt es sich um fünf Gläschen mit Babynahrung, in die der Stoff Ethylenglycol gemischt wurde. Je nach Konzentration kann das Gift auch tödlich wirken. In einer Droh-Mail an verschiedene Lebensmittelkonzerne und Drogeriemärkte in Deutschland fordert der Erpresser im Anschluss an die Tat 11,75 Millionen Euro in 35 000 Scheinen - und droht damit, weitere Produkte zu vergiften.

Es dauert zwei Wochen, bis die Polizei den Fall öffentlich macht. Warum ist zunächst ungewiss. Schließlich wird kurz nach dem Fund der Gläser in Friedrichshafen eine Sonderkommission mit rund 220 Beamten gebildet. 

Medien, auch die Schwäbische Zeitung, zeigen kurz darauf die Aufnahmen vom Mann im Supermarkt. Bundesweit wird nach dem Täter gefahndet, während in vielen Supermärkten die Babybrei-Regale leer bleiben - aus Angst vor neuem Gift und wohl auch, weil er in diesen Tagen praktisch unverkäuflich ist.

Am 29. September, fast zwei Wochen nachdem der Täter die Gläser mit dem Gift ausgelegt hatte, endet der Fall allerdings mit einem Paukenschlag. Beim Gassigehen nimmt die Polizei den "Babybrei-Erpresser" fest - er fragt nicht einmal, was ihm vorgeworfen wird.

Vielleicht ahnte er auch, dass sich die Schlinge um ihn immer fester zuzieht. Zum Verhängnis wurde ihm in jedem Fall, dass er beobachtet wurde, als er Turnschuhe und einen Laptop in einem Kleidercontainer entsorgen wollte. Der Babybrei-Erpresser, am Ende entpuppt er sich als gescheiterte Existenz aus Ofterdingen bei Tübingen.

Auf der nächsten Seite berichtet die Polizei in einem Video von der Festnahme des Täters.









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Auf einer Pressekonferenz zwei Tage nach Bekanntwerden des Falls informiert die Polizei über den dringend tatverdächtigen Mann, den sie am 29. September festgenommen haben.
Wie sich später rausstellt, ist der Festgenommene tatsächlich der gefürchtete Babybrei-Erpresser.

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Am 8. Juni 2010 vergewaltigt Andrej W. die 44-jährige Taxifahrerin Heidi F. und lässt sie anschließend schwer verletzt auf einem Feld liegen. Erst am nächsten Morgen wurde sie gefunden, zugerichtet wie nach einem schweren Motorradunfall, sagt ihr behandelnder Arzt.

Am nächsten Morgen, dem 9. Juni 2010, ersticht derselbe Täter die Taxifahrerin Zana O. aus Friedrichshafen. Andrej W. hatte sich sein Opfer gezielt ausgesucht und ließ sich von ihr zur Insel Mainau und zurück fahren. Vor dem Campingplatz Hagnau hat er die 32-jährige dann erstochen und wollte sich offenbar an der Toten vergehen. Als aber der Alarm des Taxis losgeht, haut er ab.

In der Gartenlaube seiner Oma wird Andrej W. schließlich festgenommen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Zusätzlich wird eine seelische Abartigkeit bescheinigt, er gilt als nekrophil, das heißt, er hat einen Hang zu Sex mit Toten. Er wird in die Psychiatrie Wiesloch eingewiesen, die bis dahin als sicher galt. Ein folgenschwerer Irrtum, denn keine drei Monate später gelingt ihm mithilfe eines Nagels die Flucht.

36 Stunden dauert es, bis die Polizei den Flüchtenden stoppen kann. Stunden, in denen sowohl die Nerven der Polizisten als auch die von Heidi F. blank liegen. Sie sitzt seit der Tat im Rollstuhl, ist halbseitig gelähmt und hat auf der anderen Seite kein Gefühl mehr. Zana O. hinterlässt zwei Kinder, von denen eines zum Tatzeitpunkt volljährig ist, das andere der Obhut des Jugendamtes übergeben wird. Auch Jahre nach der Tat sind die Spuren des Taximörders bei den Betroffenen nur schwer zu überwinden.

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Drei Überfälle in Opfenbach und Heimenkirch, elf weitere in Vorarlberg - neun Jahre lang hatte ein 54-Jähriger kleinere Banken überfallen. Am 6. September versuchte er sein Glück in Heimenkirch. Als er trotz vorgehaltener Waffe kein Geld von dem Bankangestellten bekam, wollte er wieder abziehen. Allerdings hatte er seine Rechnung ohne einen mutigen Bankkunden gemacht, der ihn stellte und festhielt, bis die Polizei eintraf. Erst im Nachhinein war klar, dass es sich bei dem Festgenommenen um den gefürchteten Postkartenräuber handelte.

Bekannt geworden war der Täter durch zwei Postkarten, die er nach seinen ersten Überfällen an verschiedene Banken schickte und in denen er weitere Taten ankündigte. Die verwendete Pistole stellte sich bei der Festnahme als täuschend echte Spielzeugpistole heraus.

Die drei Vorfälle in Deutschland gestand der Bankräuber in der Untersuchungshaft. Die Fälle in Österreich hatte er zunächst geleugnet, unter der großen Beweislast knickte er aber irgendwann ein und gestand auch die elf Überfälle in Vorarlberg. 

Wann das Verfahren in Deutschland eröffnet wird, ist noch nicht bekannt. Zunächst muss noch Anklage erhoben werden. Klar ist aber, dass der 54-Jährige nach abgeschlossenem Verfahren in Deutschland an das Landesgericht Feldkirch übergeben wird und auf schweren Raub verklagt wird. Darauf stehen bis zu 15 Jahre Haft.

In dem Video auf der nächsten Seite werden die Erkenntnisse am Tag der Festnahme zusammengefasst.

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Das war wohl nichts: Als der Postkartenräuber die Bankfiliale in Heimenkirch ausrauben wollte, wurde er von einem Kunden gestellt. Dieser hielt ihn fest, bis die Polizei eintraf.

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Es ist der 10. Juli 1982, als die 14-jährige Kalinka Bamberski in Lindau vom Surfen nach Hause kommt. Wenige Stunden später ist das junge Mädchen, geboren in Casablanca und aufgewachsen in Lindau, tot.

Glaubt man ihrem Stiefvater, dem Arzt Dieter K., liegt Kalinka morgens einfach leblos im Bett.

In Deutschland wird allerdings nie eine eindeutige Todesursache festgestellt. Eine Obduktion der Leiche wirft aber Fragen auf: Wurde der Leiche nach dem Tod ein völlig unwirksames Medikament zur Wiederbelebung verabreicht? Gab es eine Wunde im Genitalbereich? Und warum hat Dieter K. Kalinka nach eigenen Angaben eine Injektion gegeben, die für eine schnellere Bräunung der Haut sorgen soll - und offenbar eher gefährlich statt wirksam ist?

In Deutschland wird Dieter K. trotz der offenen Fragen nie vor Gericht gestellt. Kalinkas leiblicher Vater André Bamberski ist aber überzeugt, dass der Stiefvater das Mädchen vergewaltigte und anschließend tötete, um die Tat zu vertuschen. 

Nach Frankreich verschleppt

Am Ende nimmt er die Verfolgung des mutmaßlichen Täters selbst in die Hand.  Bamberski lässt K. im Herbst 2009 von seinem Wohnort im Landkreis Lindau in die elsässische Stadt Mülhausen verschleppen.

K. wird in der Folge in Frankreich der Prozess gemacht, weil Kalinka die französische Staatsbürgerschaft hatte. Ende 2011 wird der Arzt erstmals zu 15 Jahren Haft wegen Vergewaltigung mit Todesfolge verurteilt. Es kommt außerdem heraus: Er soll 1997 eine 16-Jährige vergewaltigt haben. 

K. sitzt heute immer noch in Haft. 2016 wird der Fall sogar in einem internationalen Kinofilm aufgerollt. Der Titel: "Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka".

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Es ist Dienstag, der 13. November 2012. Gabriele Speth aus Spaltenstein bricht wie so oft gegen 15.30 Uhr zu einem Spaziergang auf. Das Rätsel daran: Sie kehrte nie zurück.

Was ist an diesem Nachmittag passiert? Das kann bis heute niemand beantworten. Es gibt keine Anzeichen für ein Gewaltverbrechen, einen Unglücksfall oder freiwilliges Verschwinden. Die Suchaktion der Familie und der Polizei direkt im Anschluss verlief ergebnislos. Selbst die Ausstrahlung des Falls in der Fernsehsendung „ Aktenzeichen XY “ im Juni 2013 brachte keine brauchbaren Hinweise.

„Das ist durchaus ungewöhnlich“, lautet die Zusammenfassung des Polizeisprechers Markus Sauter von der Polizeidirektion Friedrichshafen. Ein Unglück hält er aber für unwahrscheinlich, denn dann wäre sie längst gefunden worden. Was genau an jenem Dienstag Nachmittag passiert ist, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. 


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Mitte Juni 2017 vermisst der Chef eines Unternehmens im Allgäu eine junge Angestellte. Er setzt sich mit dem Lebensgefährten der jungen Frau in Verbindung, der sofort daheim nachsieht.  Dort findet dieser die 22-Jährige in der gemeinsamen Wohnung. Trotz Wiederbelebungsversuchen stirbt sie kurz darauf. Der Verdacht: Mord oder Totschlag.
 
Eine Obduktion lässt dann keinen Zweifel zu: Die Frau starb aufgrund von Gewalteinwirkung.

Es dauert eine Weile, bis sich der Verdacht auf den Täter eingrenzen lässt.  "Wir gehen davon aus, dass das Opfer den Verdächtigen vom Sehen her kannte“, sagt Polizeisprecher Christian Eckel. Der mutmaßliche Täter habe eine Zeit lang im selben Weißensberger Mehrfamilienhaus wie das Opfer gewohnt. „Er ist der Exfreund einer Nachbarin“, heißt es dann.

Das Problem: Offenbar hat sich der mutmaßliche Täter nach der Tat nach Serbien abgesetzt. Weil ein entsprechendes Auslieferungsabkommen fehlt, ist die Polizei zunächst machtlos. Doch dann wendet sich das Blatt: 

Anfang Juli meldet sich der Verdächtige über seinen Anwalt bei der Polizei, sagt, er wolle zurück nach Deutschland kommen und sich freiwillig stellen. So kommt es dann auch. Der Mann wird festgenommen und gesteht später die Tat.

Sicher ist bislang: Beschuldigter und Opfer hatten keinerlei persönliche Beziehung zueinander, hatten sich als Nachbarn höchstens mal auf dem Hausflur getroffen. „Er kannte das Mädchen überhaupt nicht“, sagt der Anwalt des Verdächtigen.

Weil dieser bis  kurz vor der Tat mit der Nachbarin der Getöteten liiert gewesen war, habe er noch einen Schlüssel für das Haus und für die Wohnung seiner Exfreundin gehabt. Das Opfer, das offenbar in der Mittagspause nach Hause gekommen war, habe ihn dann „angeschlagen“ im Eingangsbereich seiner ehemaligen Wohnung angetroffen.

An diesem Punkt enden die gesicherten Erkenntnisse über das Geschehen im Allgäu nahe Lindau. Ein Gericht wird klären müssen, was dann genau geschah.

In einem kurzen Video auf der nächsten Seite wird das Verbrechen noch einmal zusammengefasst.

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Videobeitrag zur Anklageerhebung: Mord und Vergewaltigung werden dem mutmaßlichen Täter vorgeworfen.

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Schießerei in Konstanz - Spurensicherung

Es ist 4.30 Uhr in dieser Sonntagnacht am 30. Juli 2017. In der Diskothek Grey tanzen mehrere Hundert Menschen ausgelassen in einer lauen Sommernacht. 

Dann passiert das Unfassbare: Draußen vor den Türen der Diskothek eröffnet ein 34 Jahre alter Mann aus dem Irak das Feuer mit einem Sturmgewehr vom Typ M16. Es ist das Standardgewehr der US-Armee, eine Kriegswaffe. Im Kugelhagel stirbt der 51-Jährige Türsteher des Clubs, Ramazan Ö. Ein Polizist wird von einer Kugel am Kopf getroffen, noch während er seine Schutzausrüstung anlegt. Wie durch ein Wunder gibt es keine weiteren Todesopfer. Am Ende wird der Täter von der Polizei erschossen.

Die Tat gibt allerdings bis heute Rätsel auf. Klar ist heute: Bei dem Betreiber der Diskothek handelt es sich nach Darstellung der Ermittlungsbehörden um den Schwager des Schützen. Warum der Türsteher Opfer wurde, wird damit aber nicht beantwortet. Wahrscheinlich starb er zufällig.

Und noch eine Frage konnten die Ermittler bis heute nicht klären: Wie kam der Schütze an das M16-Sturmgewehr, das als streng kontrollierte Kriegswaffe selbst auf dem Schwarzmarkt nur schwer erhältlich sein soll.

Im Video auf der nächsten Seite erzählt eine Discobesucherin, die in dieser Nacht im Grey war, wie sehr sie immer noch unter den Folgen der Tat leidet.

Fotos vom Tatort



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Die 22-jährige Sandra Hänsch erlebte die schreckliche Schießerei mit und leidet immer noch darunter. 
Im Interview erzählt sie, wie sie die Tat erlebte und wie sie nun damit umgeht.

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7. März 2016: Im Textildiscounter KIK in Lindau bricht ein Feuer aus. Kunden, Ladenmitarbeiter und Hausbewohner retten sich zum gerade noch rechtzeitig aus dem brennenden Gebäude, die Feuerwehr startet einen Großeinsatz. Schnell wird klar, dass das Feuer Fragen aufwirft. Ist es wirklich an einem Jeans-Ständer ausgebrochen? Warum sollten ausgerechnet Jeans Feuer fangen? Dann kommt die böse Überraschung: In der Kasse fehlen 1000 Euro.

Die Ermittlungen ergeben später:  Bislang unbekannte Täter haben das Feuer in der KIK-Filiale in der Kemptener Straße gelegt. Die Kriminalpolizei geht davon aus, dass es sich dabei um ein gezieltes Ablenkungsmanöver gehandelt hat: Während des Brands brechen die Täter die Ladenkasse auf und nehmen sich das Geld.

Schaden übersteigt die Beute enorm

Viel schlimmer ist allerdings der Sachschaden, den die Täter verursacht haben: Nach einer ersten Schätzung der Polizei ist durch den Brand ein Schaden zwischen 100 000 und 150 000 Euro entstanden.

Bis heute fehlt von den Tätern allerdings noch jede Spur. Die Polizei vermutet, dass es sich um eine Gruppe von vier Männern und zwei Frauen handelt, die sich zum Zeitpunkt der Brandentwicklung in dem Geschäft befand. 

Doch selbst als die Kriminalpolizei fünf Kunden identifiziert, die in dem Laden waren, als jemand Kleidung in Brand gesteckt hat, kommt keiner davon als Täter in Frage.

Die Kripo Lindau ermittelt nach verschiedenen Zeugenhinweisen noch immer, doch die entscheidende heiße Spur zu den Lindauer Feuerräubern ist noch nicht darunter.

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Wegen sexuellen Missbrauchs seiner kleinen Tochter muss sich 2015 ein 42-jähriger Mann aus Friedrichshafen vor dem Landgericht Ravensburg verantworten. Die 24 Taten, die ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, räumt er am ersten Verhandlungstag umfassend ein.

Er gibt auch zu, Bilder und Videos gefertigt und auf Internetportalen verbreitet haben.

Selbst für Hartgesottene ist der 25-minütige Vortrag, den die Staatsanwältin zu Beginn der Verhandlung hält, nur schwer zu ertragen. Mit der Ruhe und Präzision eines Buchhalters listet sie auf, wann und wo und wie sich der Angeklagte zwischen Sommer 2011 und Frühjahr 2015 an seiner Tochter vergeht.

Das Mädchen ist im Tatzeitraum zwischen drei und sechs Jahren alt. Gefügig macht der Mann seine Tochter mit der Aussicht auf Süßigkeiten und Videospielen – natürlich stets verbunden mit dem Hinweis, dass sie das „Geheimnis“ niemandem verraten dürfe.

Der Angeklagte beließ es nicht beim Missbrauch. Bilder seiner Verbrechen versandte er an Pädophile und Internetforen, teilweise ließ er Gleichgesinnte mit Skype-Übertragungen live daran teilnehmen.

Der 42-jährige Familienvater, der bis zu seiner Verhaftung völlig unauffällig hinter einer bürgerlichen Fassade lebte, räumte am ersten Verhandlungstag alle Vorwürfe ein. Damit blieb er seiner Linie treu, die Aufklärung seiner Taten zu unterstützen. Schon als die Polizei im April bei einer Hausdurchsuchung einen verschlüsselten USB-Stick mit 5000 kinderpornographischen Dateien fand, verriet er den Beamten das Passwort.

Auf die Schliche gekommen waren ihm die Ermittler, nachdem bei einem Mann aus Düsseldorf Bilder des Häfler Mädchens gefunden worden waren.

"Ich kann nicht fassen, was ich getan habe"

„Im Nachhinein betrachtet war meine Festnahme eine Erlösung für mich“, erklärte der Angeklagte am Dienstag mit stockender Stimme. „Ich kann nicht fassen, was ich getan habe. Ich weiß, dass ich krank bin, dass ich pädophil bin“, las er von einem Manuskript ab, das er mit seinen Anwälten vorbereitet hatte.

Bis in das Jahr 2010 hinein habe er mit seiner Frau „eine Bilderbuchehe“ geführt. Ohne dass er aktiv nach kinderpornographischem Material gesucht habe, sei er über einen Mittelsmann in Kontakt mit pädophilen Internet-Foren geraten. Dort habe er Filme gesehen, „die in mir etwas auslösten, was ich mir nicht erklären konnte“. Seine sexuelle Begierde habe fortan kleinen Mädchen gehört.

Je stärker sich seine pädophile Neigung entwickelte, desto mehr sei das Interesse an seiner Ehefrau geschwunden, sagte der Angeklagte. In den darauffolgenden Jahren habe er sich immer weiter von ihr zurückgezogen. Denn: „Wie soll ich mit ihr schlafen, wenn ich das andere im Hinterkopf habe? Mein Gewissen hat mich geplagt.“

Was nach Jahrzehnten die Änderung seiner sexuellen Orientierung ausgelöst haben könnte? „Ich weiß es nicht“, erklärte der 42-Jährige. „Ich hoffe, dass ich während meiner Haft in Therapie darf, um das herauszufinden.“

Nach vier Verhandlungstagen spricht das Landgericht Ravensburg am Ende ein Urteil über den Mann. Er muss für sechs Jahre und neun Monate ins Gefängnis.
  
Die Frage nach dem „Warum?“ wird wohl die meisten, die den Prozess gegen den Familienvater mitverfolgt haben, noch eine Weile beschäftigen. Warum vergeht sich ein Mann, der 20 Jahre lang eine normale Sexualität gelebt hat, an seiner kleinen Tochter? Warum riskiert er Job, Familie und seine gesamte Existenz? Warum obsiegt bei einem intelligenten Mann eine abartige Neigung über den Verstand?

Trotz Einlassungen des Angeklagten und tiefenpsycholgischen Erklärungen von Sachverständigen waren für Staatsanwältin Christa Gillig die Frage nach dem „Warum?“ am Ende nicht beantwortet. Ihre These: „Es ging ihm zu gut. Ihm hat der Kick gefehlt.“ 

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Am Nachmittag des 23. August 2010 geht eine 43-Jährige mit ihrer 44-Jährigen Freundin spazieren. Kurz darauf versucht sie, ihre Freundin umzubringen - aus reiner Eifersucht, wie das Gericht später feststellt. Denn ihre Freundin hatte ein Verhältnis mit ihrem Ehemann.

"Ahnungslos, arglos, wehrlos", sei das Opfer gewesen, heißt es in der Urteilsbegründung. Die Angreiferin hatte die 44-Jährige erst abseits der befestigten Straße gelockt, um sie dann mit einem Hammer anzugreifen. Dabei brach sowohl die Schädeldecke des Opfers, als auch der Hammer selbst. Danach stach sie mehrmals auf ihre Freundin ein und fügte ihr gut ein Dutzend Wunden zu. Offenbar sei es dem Opfer – das sich nur noch bruchstückhaft erinnern konnte - gelungen, der Angreiferin das Messer zu entwinden. Die 43-Jährige, die bei diesem Kampf an beiden Händen verletzt wurde, habe anschließend mit einer Wäscheleine versucht, ihre Rivalin zu erdrosseln, dann sie mit einer Jacke zu ersticken.

Als beides nicht funktionierte, wollte sie ihr Opfer gar noch in einen nahe gelegenen Abgrund stürzen. Das Gericht erkannte in keiner Phase des Tathergangs einen so genannten Rücktrittsversuch, der strafmildernd hätte gewertet werden können. Bis zwei Radfahrer auf das Geschehen aufmerksam wurden, habe sie versucht, ihr Werk zu vollenden.

Die Angreiferin habe sich mit ihrer schwer verletzten Freundin darauf verständigt, gegenüber der Polizei einen Überfall durch einen Osteuropäer vorzutäuschen. Diese Geschichte wurde von der Polizei allerdings schnell zerpflückt. Warum das Opfer bei dieser Lüge mitmachte, ist schnell erklärt: Todesangst. Denn auch Stunden später litt sie noch darunter, waren sie und ihre Angreiferin doch im selben Krankenhaus untergebracht.

Nach vier Verhandlungstagen bestand am 29. März 2011 für den Vorsitzenden Richter, seine beiden Beisitzerinnen und die beiden Schöffen kein Zweifel: „Die Kammer ist überzeugt, dass die Angeklagte versucht hat, ihr Opfer in heimtückischer und brutaler Weise zu ermorden.“ Sieben Jahre Haft lautet das abschließende Urteil.

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Autoren und Umsetzung
Hagen Schönherr, Helen Belz mit Texten von Jule Baumann, Gunnar M. Flotow und anderen

Schnitt/Inserts
Marcus Fey

Verantwortlich
Yannick Dillinger, Jasmin Off

Fotos
dpa, sz

Videos
Regio TV, Schwäbische Zeitung

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Telefon: 0751 / 2955 5555
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Die Anklage für die Tat steht fest.

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