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Der Mehlsack

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Noch heute schmücken zahlreiche Türme und Tore die im Krieg verschonte Altstadt Ravensburgs. Mehr als ein Dutzend Bauten unterschiedlichster Form zählt die 50 000-Einwohner-Stadt. Fast alle wurden im 14. und 15. Jahrhundert errichtet. Als bekanntes Symbol gilt der runde, weiße Turm am Fuße der Veitsburg - im Volksmund Mehlsack genannt (Bildmitte). 

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Als der Deutsch-Schweizer Matthäus Merian um 1643 die freie Reichsstadt Ravensburg in einem Kupferstich festhält, tobt in Europa noch der Dreißigjährige Krieg.

Gut zu erkennen ist der Mehlsack links neben dem Schriftzug. Der Turm markierte den höchsten Punkt der Stadtbefestigung und konnte nur über sie betreten werden. Heute liegt sein Eingang tiefer, die Mauer ist verschwunden.

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Viele Jahre lang hat der Historiker Dr. Peter Eitel das Ravensburger Stadtarchiv geleitet und ausführliche Bücher über die Geschichte der Stadt und der Region Oberschwaben geschrieben. Er ist begeistert vom Mehlsack und erzählt, warum er zwischen 1425 und 1429 vor die Veitsburg gebaut wurde.

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Weithin sichtbar ragt der Mehlsack in den Himmel. An seiner Spitze weht die Ravensburger Fahne. Dort gab es bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts ein Dach. Dann lösten Kanonen die Armbrustschützen ab.

Knapp unter dem Zinnenkranz befanden sich acht gemalte Wappenschilde, die nur noch zu erahnen sind. Wissenschaftler vermuten, dass dort die Wappen der Bodenseestädte Konstanz, Überlingen, Lindau, Wangen, Buchholz (heute: Friedrichshafen), St. Gallen und Ravensburg zu sehen waren.

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Mit seinen Zinnen, der glatt verputzten Fassade und den dicken Mauern gibt der Mehlsack ein imposantes Bild ab. Er ist das "Symbol der Reichsstadtherrlichkeit und des Machtbewusstseins der ehemals nur dem Kaiser verantwortlichen Stadt", schreiben Kurt Dörr und August Schuler im Begleitbuch zur Sanierung 1995. "Es ist ein Turm, der zur Stadt passt", sagt Peter Eitel.

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Früher hieß der Mehlsack offiziell "Weißer Turm bei St. Michael". Der Spitzname setzte sich aber schon ab 1730 durch, obwohl die namensgebende, direkt angebaute St. Michaelskapelle erst 1824 abgerissen wurde.

Den außergewöhnlichen Namen trägt der Wehrturm übrigens nicht nur wegen seines weißen Verputzes, sondern vor allem wegen seiner hohen, runden Form. Denn so sahen die fast mannshohen Kornsäcke aus, die früher zu Hunderten im Ravensburger Kornhaus lagerten.










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Während des Zweiten Weltkriegs beherbergte der Mehlsack einen Luftmeldeposten. Abgesehen von einem Bombentreffer am 26. April 1945, bei der eine Zinne abriss, blieb er unbeschädigt. Seine bis zu 3,30 Meter dicken Mauern schützten die städtischen Akten und das silberne Besteck des Konzerthauses.

Übrigens: Das Portal im Erdgeschoss ist nicht wirklich spätgotisch, auch wenn es so anmutet. Es stammt aus dem Jahr 1859. Man erreicht es über eine Treppe. Auf der Höhe der Schwelle befand sich bis 1869 das ursprüngliche Bodenniveau.

Damals wurde der Boden abgetragen, um dem Neubau einer Realschule mehr Licht und Luft zu spendieren. Als man merkte, das der Turm nur noch zwei Meter tief verankert war, ließ man von dem Vorhaben ab. Der Turm war früher also optisch etwas kleiner.

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Keine Frage: Der helle Mehlsack ist ein Blickfang und Anziehungspunkt für Bürger und Besucher. Doch lange war er grau: Erst dank vieler Spenden konnte er 1995 grundlegend restauriert wieder in weiß verputzt werden. Bei der mehrmonatigen Sanierung wurden 30 Prozent des Außenputzes und die gesamte Dacheindeckung erneuert. 

Die Kosten beliefen sich umgerechnet auf rund 200 000 Euro. Großzügige Geld- und Materialspenden aus der Bevölkerung machten die Renovierung überhaupt erst möglich. Bauhandwerker opferten freie Tage, um die Sanierung rechtzeitig zum Rutenfest zu vollenden.

Von 2014 bis 2016 musste der Turm für eine weitere Sanierung gesperrt werden, da er nicht den modernen Brandschutzauflagen genügte. Die Stadt investierte 60 000 Euro in Brandschutzdecken und elektrische Fenster, um den Mehlsack sicherer zu machen. Der Mehlsackweg wurde für die Feuerwehrfahrzeuge erweitert.




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Dana Gaudszun von der Ravensburger Touristinfo erklärt, was sich wegen des Brandschutzes geändert hat.

Wer den Mehlsack einmal selbst besteigen will, hat im August und September Gelegenheit dazu. Dann öffnet er samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

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Die Besucherzahl ist in der vergangenen Saison von rund 8000 auf 1343 Personen gesunken. Der Grund sind kürzere Öffnungszeiten wegen zu hoher Kosten. Denn es müssen immer zwei Personen die Turmaufsicht übernehmen.

Anwesend ist neben einem städtischen Mitarbeiter auch ein ehrenamtlicher Helfer. Diese freiwilligen Helfer sind Mitglieder der Bürgergarde, der Dudelsackgruppe und des Kunstvereins sowie Privatpersonen, Stadträte und Angestellte der Stadt.

Wer sich ehrenamtlich bei der Turmaufsicht engagieren will, wendet sich per E-Mail an: dana.gaudszun@ravensburg.de




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Auch außerhalb der Besuchszeiten können Sie einen Blick ins Innere des Turms werfen, hinaufsteigen und sogar einen Rundumblick bei bestem Wetter aus 51 Meter Höhe genießen. Redakteur Michael Scheyer ist die 253 Stufen mit einer 360°-Grad-Kamera hinaufgestiegen und hat eindrucksvolle Aufnahmen mitgebracht. 

Klicken Sie hier, um die Tour zu starten.

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Der Mehlsack ist "das Wahrzeichen der Stadt und der Liebling des Stadt- und Landvolks", steht schon in einem Ravensburger Fremdenverkehrsführer von 1898 geschrieben.

An Beliebtheit hat der schmale Turm bis heute nicht verloren, eher zugelegt. Seine Kanonen donnern zur Fasnet und beim Rutenfest. Es gibt eine gleichnamige Dudelsackgruppe und die Schützen schießen eine hölzerne Version von ihrer Scheibe. 

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Die Fans des weißen Turms haben viele ausgefallene Ideen, um ihrem Lieblingsbauwerk zu huldigen. So auch die Familie Felix aus dem Ortsteil Untereschach. Sie nimmt ihren eigenen Mehlsack mit auf Reisen.

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Dass es die Sehenswürdigkeit nicht nur in Ravensburg gibt, haben die Leser der "Schwäbischen Zeitung" bewiesen. Wir hatten sie Mitte 2016 dazu aufgerufen, uns Mehlsack-Motive aller Art zu schicken - es kamen fast 300. Unter anderem wurde er als Tattoo auf dem Arm verewigt oder in Beton gegossen. Es gibt sogar einen Klobürstenhalter.

Klicken Sie hier, um die Bilder der Aktion anzuschauen

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Ravensburgs höchster Turm steht bei vielen Künstlern hoch im Kurs: Den Mehlsack gibt es unter anderem gestickt, gehäkelt, geschnitzt, geschweißt und natürlich auch gemalt. Einer, der ihn in seinen Bildern verewigt hat, ist der Maler Wolfgang Hirschberger. 

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Konzept / Texte: 
Mark Hänsgen

Fotos / Audios / Videos:
Mark Hänsgen/ Archiv / Wikipedia
 
Weitere Videos:
Marlene Gempp/ Archiv

Weitere Quelle: 
Buch: "Der Mehlsack 1995",
Oberschwäbische Verlagsanstalt,
46 Seiten

Kontakt:
www.schwaebische.de
Karlstraße 16
88212 Ravensburg
online@schwaebische.de

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