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Feinstaub - den Stuttgartern stinkt's

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Die Stadt Stuttgart hat ein Problem mit Feinstaub. Aber was steckt eigentlich dahinter? Schwäbische.de hat die Fakten in einem Multimedia-Projekt zusammengetragen.

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Redaktion: Sarah Schababerle

Texte: Sarah Schababerle

Bilder: Sarah Schababerle, dpa, Umweltbundesamt, imago

Grafiken: Umweltbundesamt, VVS

Videos: Sarah Schababerle, Sebastian Heilemann, Umweltbundesamt

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88212 Ravensburg
Telefon: 0751/2955 5555
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Schwäbische Zeitung 2017 - alle Rechte vorbehalten



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Der Stuttgarter Manfred Niess engagiert sich für eine sauberere Luft. Er hat das Klima- und Umweltbündnis Stuttgart mitgegründet.

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Die Schadstoffbelastung der Luft ist seit den 1990er Jahren in Deutschland deutlich zurückgegangen. Dennoch werden Grenzwerte für Luftqualität noch häufig überschritten. Am stärksten belastet ist die Luft in Ballungsräumen und an Orten mit hohem Verkehrsaufkommen.

Zu den häufigsten Luftschadstoffe zählen Feinstaub, Stickstoffoxide, Ozon, Ammoniak, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und flüchtige organische Verbindungen (NMVOC).

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In der öffentlichen Diskussion werden die unterschiedlichen Schadstoffe häufig vermischt. Unter Feinstaub versteht man kleinste Staubpartikel, die sowohl durch Abgase als auch durch Abrieb von Reifen und Bremsen entstehen. Sie bleiben als Schwebstoffe in der Luft. Stickoxide entstehen vor allem bei Verbrennungsvorgängen. Eine hohe Stickoxidbelastung erkennt man an einem gelblichen Farbton in der Luft.

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Abgase tragen laut der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) selbst an einem viel befahrenen Ort wie dem Neckartor in Stuttgart durchschnittlich nur zu etwa sieben Prozent zum Feinstaub bei. Der Rest entsteht durch Aufwirbelungen und Abrieb an Bremsen und Reifen. Eine weitere Ursache sind Holzöfen. 30 Prozent des Feinstaubs wird aus der Umgebung herangetragen.

Feinstaub wird nicht nur durch direkte Emissionen verursacht, sondern auch durch andere gasförmige Schadstoffe wie Ammoniak, Schwefeldioxid und Stickstoffoxiden. Diese reagieren in der Luft miteinander und bilden sogenannten „sekundären“ Feinstaub.

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Laut Bundesumweltamt kann Feinstaub der Größe PM10 beim Menschen in die Nasenhöhle, kleinere PM2,5-Teilchen bis in die Bronchien und Lungenbläschen eindringen. Ultrafeine Partikel gelangen bis ins Lungengewebe und sogar in den Blutkreislauf.

Je nachdem wie groß die Partikel sind und wie tief sie eindringen, kann Feinstaub verschiedene gesundheitliche Auswirkungen haben. Nach Informationen des Bundesumweltamtes reichen sie "von Schleimhautreizungen und lokalen Entzündungen in der Luftröhre und den Bronchien oder den Lungenbläschen bis zu verstärkter Plaquebildung in den Blutgefäßen, einer erhöhten Thromboseneigung oder Veränderungen der Regulierungsfunktion des vegetativen Nervensystems (Herzfrequenzvariabilität)."






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In Europa erkranken und sterben jährlich mehrere 100 000 Menschen an den Folgen von Feinstaub. Die WHO spricht sogar von 600 000 Opfern im Jahr 2012. Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes führten feinstaubbedingte Erkrankungen in Deutschland in den Jahren 2007 bis 2013 zu volkswirtschaftlichen Kosten von im Mittel 153 Milliarden Euro jährlich.

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Clean Air for Europe – saubere Luft für Europa nennt die Europäische Kommission ihre thematische Strategie zur Bekämpfung der Luftverschmutzung von 2005. 

Ziel dieser Strategie ist, die Luftverschmutzung bis 2020 so weit zu vermindern, dass von ihr keine "inakzeptablen Auswirkungen für Mensch und Umwelt" mehr ausgehen, schreibt das Umweltbundesamt.

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Zum Schutz der Gesundheit gelten seit dem 1. Januar 2005 europaweit Grenzwerte für die Feinstaub der Größe PM10. Der Tagesgrenzwert beträgt 50 Mikrogramm pro Kubikmeter und darf nicht öfter als 35 Mal im Jahr überschritten werden. Der zulässige Jahresmittelwert beträgt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Für die noch kleineren Partikel PM2,5 gilt seit 2008 europaweit ein Zielwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresdurchschnitt, der bereits seit dem 1. Januar 2010 eingehalten werden soll. Seit dem 1. Januar 2015 ist dieser Wert verbindlich einzuhalten und ab dem 1. Januar 2020 dürfen die PM2,5-Jahresmittelwerte den Wert von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht mehr überschreiten.

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Die Feinstaubbelastung  ist in den vergangenen Jahren stark gesunken und die Grenzwerte werden inzwischen in fast allen Städten in Deutschland eingehalten. Lediglich Stuttgart tut sich da negativ hervor.

Anders als beim Feinstaub ist die Stickoxidbelastung weiterhin deutschlandweit ein großes Problem. "An gut 57 Prozent der verkehrsnahen Messstationen wurde der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel überschritten. Seit 2010 zeigt sich ein nur leicht abnehmender Trend", heißt es beim Umweltbundesamt.


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Was die Luft angeht, gilt Stuttgart als dreckigste Stadt Deutschlands. Der Tageswert für Feinstaub (PM10) von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter wurde in den vergangenen Jahren deutlich häufiger als an den erlaubten 35 Tagen überschritten.

Messungen ergaben an Tagen mit austauscharmen Wetterlagen zum Teil sehr hohe Feinstaubkonzentrationen. An der Station "Am Neckartor" wurde beispielsweise 2013 der Tageswert an 91 Tagen überschritten. 63 Überschreitungen waren es 2016.

In den ersten drei Monaten 2017 wurden die Grenzwerte am Neckartor bereits 33 Mal überschritten.

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Die Grenzwerte für die Schadstoffe Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Benzol und Blei werden dagegen in Stuttgart eingehalten.

Bei Stickstoffdioxid (NO2) wird der Kurzzeitgrenzwert immer wieder überschritten. Das passiert vor allem an Orten mit viel Verkehr. An der Messstation Neckartor wurden 2014 statt der erlaubten 18 Stunden doppelt so viele, nämlich 36 Überschreitungsstunden ermittelt. Der Grenzwert liegt bei 200 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft.

Bei NO2 wird auch der seit 2010 gültige Langzeitgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresdurchschnitt an stark befahrenen Standorten überschritten.

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In Stuttgart wird an insgesamt 8 Messstationen die Schadstoffkonzentration in der Luft gemessen. 

- Stuttgart-Mitte (Schwabenzentrum)
- Stuttgart-Zuffenhausen
- Stuttgart-Bad Cannstatt
- Stuttgart-Mitte-Straße
- Spot-Station Hohenheimer Straße
- Spot-Station Am Neckartor
- Spot-Station Siemensstraße
- Spot-Station Waiblinger Straße

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Um der hohen Luftverschmutzung entgegenzutreten und die Grenzwerte künftig einzuhalten, greifen die Stadt und das Regierungspräsidium Stuttgart zu verschiedenen Maßnahmen.

Diese sind im so genannten Luftreinhalteplan verankert, der seit dem 1. Januar 2006 in Kraft ist. Darüber hinaus ist aber vieles noch Zukunftsmusik.

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Umweltzonen baw%c3%bc
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In Baden-Württemberg gibt es noch weitere Umweltzonen, unter anderem in Freiburg, Ulm und Tübingen.

Zum Vergrößern auf der Karte oben rechts auf die Pfeile klicken.

Umweltzonen baw%c3%bc
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Um die Luftverschmutzung zu verringern und die Grenzwerte künftig einzuhalten, löst die Stadt Stuttgart an bestimmten Tagen Feinstaubalarm aus. Autofahrer, die in die Innenstadt wollen, werden gebeten, ihr Auto an diesen Tagen stehen zu lassen. Der öffentliche Nahverkehr bietet dann Tickets zum halben Preis an.

Sogenannte Komfort-Kamine, also Holzöfen, die zusätzlich zur Heizung genutzt werden, müssen an diesen Tagen aus bleiben.

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Das Stuttgarter Verfahren ist einzigartig in Europa, da es in die Zukunft blickt.

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100 Meter Mooswand sollen künftig entlang der B14 in der Nähe des Neckartors für saubere Luft sorgen.

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Als weitere Möglichkeit im Kampf gegen den Feinstaub hat die Stadt ein Pilotprojekt gestartet. Spezielle Kehrmaschinen sollen die Straßen vom Dreck reinigen bevor dieser zu Feinstaub wird. Auf der nächsten Seite können Sie sich durch nähere Informationen klicken.

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Im Kampf gegen den Feinstaub in der Landeshauptstadt hat die Baden-Württembergische Landesregierung Fahrverbote für alle Diesel-Fahrzeuge beschlossen, die nicht der Euro-6-Norm entsprechen. Sie treten bereits ab 2018 in Kraft. Die Fahrverbote sollen an Tagen mit Feinstaubalarm gelten.

Ausnahmen soll es für Handwerker, Taxis und Busse geben.

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Um die Euro-6-Norm einzuhalten, dürfen Fahrzeuge einen bestimmten Schadstoffausstoß nicht überschreiten. Bei Diesel-Fahrzeugen wird das in der Regel erreicht, indem eine wässrige Harnstofflösung, das so genannte AdBlue, in den Abgasstrang eingespritzt wird. Stickoxide und Ammoniak werden dabei zu Wasser und Stickstoff umgewandelt. Der Ausstoß von Stickoxiden soll so bei Dieselfahrzeugen um bis zu 90 Prozent reduziert werden.

Die Manipulationen einiger Automobilhersteller, die dazu führten, dass Autos im realen Fahrbetrieb mehr Schadstoffe ausstoßen als auf dem Prüfstand, haben das Vertrauen in diese Technik erschüttert.

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Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hält das Diesel-Fahrverbot für einen "politischen Schnellschuss“ ohne wissenschaftliche Grundlage. „Um die Luftqualität in den Städten zu verbessern, gibt es intelligentere und schneller wirkende Maßnahmen als temporäre oder gar dauerhafte Verkehrsbeschränkungen für einen Großteil der Diesel-Pkw", teilt der Verband in einer Pressemitteilung mit. Er nennt als Beispiele die Verbesserung des Verkehrsflusses und Stauvermeidung. Solche Maßnahmen seien kurzfristig umsetzbar und hätten eine große Wirkung: "Grüne Welle und ein gleichmäßiger Verkehrsfluss bringen eine Reduktion der Stickoxidemissionen um fast ein Drittel." Zudem sollten Busse und Taxis im städtischen Verkehr durch modernste Fahrzeuge ersetzt werden, betont der VDA.

Der VDA weist darauf hin, dass Feinstaub nur zu einem geringen Teil durch Dieselabgase entsteht.

Umweltverbände wiederum halten dagegen, dass durch Dieselfahrverbote eine generelle Reduzierung des Verkehrs und damit der Luftschadstoffe erreicht werde.




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Die von der grün-schwarzen Landesregierung angestrebte Blaue Plakette ab 2020 könnte neben der Feinstaub- auch die Stickoxid-Belastung in den Griff bekommen.

Eine Bundesratsinitiative liegt laut Landesverkehrsminister Winfried Hermann derzeit beim Umweltausschuss. Parallel werben Ministerpräsident Winfried Kretschmann und sein Vize Thomas Strobl (CDU) bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für die Blaue Plakette. Die Kanzlerin soll die Bundesregierung von deren Nutzen überzeugen. Wenn sie kommt, dürfen ab 2020 keine Benziner unter Euro-3 und keine Diesel unter Euro-6-Norm mehr durch Stuttgart und andere Umweltzonen fahren.

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