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Meine Schule

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Jeder war mal in der Schule, der eine liebte sie, der andere hasste sie. Für die Serie „Weißt du noch...“ hat die Schwäbische Zeitung Ihre Erinnerungen gesucht - von der Hausarbeit bis zur Strafarbeit, vom Abischerz bis zur Klassenfahrt. 

Seht hier alle eingereichten Klassenfotos aus Friedrichshafen und Umgebung.

Die einzelnen Episoden haben wir zu einer multimedialen Geschichte zusammengefasst. Damit ihr endlich wieder sagen könnt: "Weißt du noch..."

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Friedrichshafen ist eine der wenigen Städte, die ein Schulmuseum hat. Im Februar 1980 ist das Schulmuseum im Schulhaus des Friedrichshafener Stadtteils Schnetzenhausen eröffnet worden. Heute zeigt das Museum die Schulgeschichte und -entwicklung, den Schulalltag, Kindheit und Freizeit dar.

„Es ist entstanden aus einer Privatinitiative von Norbert Steinhauser, Rektor an der Pestalozzi-Schule“, erklärt Museumsleiterin Friederike Lutz. „Der Grundbestand unserer Sammlung geht auf Norbert Steinhauser zurück.“ 1981 konnte das Schulmuseum um die Bestände zur Schulgeschichte von Erich Müller-Gaebele, Professor an der Pädagogischen Hochschule Weingarten, erweitert werden. „Auf deren Sammelleidenschaft und Leidenschaft für das Thema ist diese Sammlung aufgebaut worden.

In den 80ern wurde die Villa Riß frei und die Stadt stellte es ihm zur Verfügung. Im März 1989 zog das Museum in die Innenstadt um. In der ehemaligen "Villa Riß" an der Friedrichstraße wurde es völlig neu gestaltet und um zahlreiche Themenbereiche ergänzt. Seither ist die Sammlung des Museums ständig gewachsen.

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Margarete Westerholt erinnert sich gerne an ihre Schulzeit: Sie zeigt auf einem Foto auf ein junges lächelndes Mädchen in der vierten Reihe einer Schulbank. „Das bin ich“, sagt sie lächelnd. Sie zeigt auf den Lehrer ihrer Grundschulzeit, den Lehrer Hopfenzitz, der besonderen Wert auf Rechtschreibung gelegt habe. „Er war ein guter Lehrer. Er war streng, hatte aber auch Humor.“ Er sei oft in seiner Jägeruniform gekommen, habe seinen Hund dabei gehabt, war in bester Stimmung, holte seine Geige aus dem Kasten – dann wurde gesungen. Sie erinnert sich an die erste Strophe: „Ein Jäger aus Kurpfalz, Der reitet durch den grünen Wald, Er schießt das Wild daher, Gleich wie es ihm gefällt.“ Es war Westerholts Grundschulzeit. 1933 wurde sie eingeschult. Drei Jahre später wird die Volksschule in „Horst-Wessel-Schule“ umbenannt. Eine Spur des Nationalsozialismus.

1946 machte Westerholt ihr Abitur. Eine junge französische Lehrerin habe Westerholts Abiturklasse sehr gemocht, sie sei zum Kommandanten gegangen, habe ihm erzählt, dass ihre Klasse eine Abifeier machen wollte, dafür aber keinen Raum habe. „Alles war kaputt oder von Franzosen belegt.“ Der Kommandant habe den Schülern erlaubt, den Pavillon des Buchhorner Hofs, das damalige Offiziers-Casino, zu nutzen. „Wir waren so glücklich, wir haben drei Tage lang den Raum geputzt und geschmückt“, erzählt Westerholt. „Das war ein Fest, das werden wir nicht vergessen.“

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Ein Fest, das nach der Kriegszeit umso besonderer war: Westerholt erzählt von einem Unterricht, der vor allem ab 1939 wegen fehlender Lehrer und Platznot beschränkt war, sie spricht von der „Brandwache“, die sie als Schüler halten mussten, von einer Verlagerung der Klassen in Gegenden, in denen der Krieg nicht so präsent war, wie in der Industriestadt Friedrichshafen, von einer Gastfamilie in der die Schüler damals nahe Albstadt untergebracht war. Wie der Unterricht dann durch Arbeitsdienst ersetzt wurde und Teile aus Metall für Flugzeuge und Kriegsgeräte hergestellt wurden und als dann die Schulen wieder geöffnet waren, „fast die ganze Klasse war dann wieder zusammen“. Ein Jahr wurden sie auf das Abitur vorbereitet. Dann die Abifeier.

70 Jahre ist es her und noch immer komme die Klasse zusammen.

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Hans Kling hat uns folgende Episoden geschickt: 

"Alban war ein ruhiger Junge. Er war eine Klasse über mir in der Oberschule, so hieß das Gymnasium im dritten Reich. Eines Nachmittags stand Alban auf dem Schulhof von mehreren Schülern umringt. Was gab es da zu sehen? Alban hatte eine Schachtel in der Hand und fragte die Umstehenden, ob sie sehen wollten, was da in der Schachtel aufbewahrt war. Alle waren neugierig und gespannt. Alban öffnete die Schachtel. Welch ein Schrecken, lag da doch auf Watte gebettet ein blutiger Finger. Es war ein echter Finger, blutverschmiert.. Alban hatte ein Loch in den Schachtelboden gemacht seinen mit Wasserfarben angemalten roten Finger durch das Loch geschoben und so lag der Finger auf dem Wattebett."

"Rudi hatte wieder etwas angestellt. Studienrat Seifried fragte die Klasse (3. Klasse Oberschule) nach dem Übeltäter. Niemand meldete sich, aber alle wussten wer es war. Seifried gab einen Tag Schonfrist, aber auch am nächsten Tag erfolgte keine Meldung.
Seifried verlängerte nochmals um einen Tag. Als sich dann wieder kein Schüler meldete, sagte Seifried, die ganze Klasse erhalte jetzt eine Strafe. Da erhob Rudi seine Hand und sagte:: Herr Studienrat, ich möchte mich für den melden, der die Sache angestellt hat.“ Seifried war so gerührt, dass ausgerechnet der Schüler sich opfern wollte, der es doch so dick hinter den Ohren hatte und er erließ der Klasse die Strafe."

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Ende September 2006 hält Ulrich Sauter anlässlich des 175-jährigen Graf-Zeppelin-Gymnasiums eine Rede. Er machte 1950 das Abitur, erlebte die eine Hälfte der Schulzeit vor, die andere nach dem Krieg. Sauters Rede liest sich wie eine Zusammenfassung der damaligen Zeit.

Er schlägt ernste Töne an, spricht von einem „Lehrer-Schüler-Verhältnis“, das, wie er glaubt „distanzierter als heute“ war. „Wir fühlten uns keineswegs gleichwertig, sondern waren uns unserer Abhängigkeit und der Überlegenheit des „Paukers“ bewusst.“ Andererseits seien sie sich damals aber auch dem Vorzug bewusst gewesen, an der Oberschule sein zu dürfen, konnten nicht alle Eltern das Schulgeld aufbringen. „Die psycho-physischen Demütigungen nahmen wir gelassen hin und hielten sie meistens für berechtigt. Von seelischem Schaden dadurch sprach damals niemand“, so Sauter weiter. Er erzählt von Episoden aus seiner Schulzeit, von Lehrern wie dem Studienrat Fritz Kettnacker, der Kunstlehrer, der laut Sauter unter dem Unverständnis und mangelhaften Interesse der Schüler gelitten habe. Er erinnert sich an Dr. Grünvogel, den Chemiker, Biologe und Geologe, und an den Oberstudienrat Albert Blank, „eine weitere markante Persönlichkeit“ und an den Latein- und Französischlehrer Franz Josef Stütz.

Es sind Lehrer, die auch Edwin Allgaier kennt. Er erinnert sich an den Schulbeginn nach dem Krieg, an Enge und Platznot: „Die Räume in der Oberschule waren knapp. Die Stadtverwaltung hatte sich dort breit gemacht.“ Lehrer mittleren Alters seien selten gewesen. „Meist waren es ältere, wieder aktivierte Lehrer“, so Allgaier. „Jeder Lehrer war ein Original“ – und während Allgaier noch ein Foto einiger Lehrer gefunden hat, hat sich Sauter einige markante Sprüche gemerkt und einige aufgeschrieben:

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Der Kunstlehrer Kettnacker

"Ihr habet gar kai Intresse an dr kunscht und gar kai Phantasie! Jedr molt s´Gleiche! Herrgott, in Schramberg habet se gschbrudelt vor Phantasie! Gähet doch zum Baden! A baar sind rächd: dr Bauer und dr Ehrlaspiel und dr Bendeich und dia Zeller! Mit de Andere isch gar nix!" 


"Do nemmet se da Radiergummi ind Fauscht und fahret ibrs Babier bis a Loch drin isch. Herrgott, i brauch´s ganz Johr koin Gummi."

Der Kunstlehrer habe oft die ganze Tafel voll gemalt und in die Ecke „Bitte stehen lassen“ geschrieben. Wenn nach der Pause nur noch die Bitte an der Tafel stand und alles andere weggewischt, sagte er: „Ihr sind beese Buben.“ Jahre später habe Sauter Kettnacker als Arzt behandelt. Reumütig habe er gesagt: „I will jetzt an Ihne wiedr guatmacha, daß mir Sia frieher soviel gärgert hond.“ Kettnacker war versöhnt: „Isch scho rächd.“

Chemiker, Geologe und Biologe Dr. Grünvogel

"Wie arbeitet der Geologe? Mente et malleo! Mit Geist und Hammer!"

Sonntags sei er mit Rucksack und Hammer auf geologische Exkursionen in die Umgebung und habe einmal in der Kiesgrube vom Vater eines Mitschülers gehämmert, der stellte ihn zu Rede: "Wär hot Ihne erlaubt, oifach mai Kiesgruab zu beträta?" Darauf stellte sich Grünvogel vor: "Gestatten, Dr. Grünvogel von der Graf Zeppelin-Oberrealschule. Ich unterrichte auch Ihren Sohn!"

Oberstudienrat Albert Blank

Sauter erinnert sich von der Zeit, als sein Bruder Eberhard in die Schule kam. Drei ältere Geschwister seien zu der Zeit schon an der Schule gewesen. Blank wollte die Namen wissen. Eberhard sagte er heiße Sauter. Darauf der Lehrer, enttäuscht: „Was Sauter? Heert denn des garit auf? Dia Rass´ kenna mr.“

Wutanfälle seien schnell abgeklungen: "Gell, des merksch dr, Bürschle. Hock de na."

Latein- und Französischlehrer Franz-Josef Stütz

Seine Devise: "Oderint, dum metuant. Mögen sie mich hassen, wenn sie mich nur fürchten.“ "Beides taten wir“, so Sauter.

Ein Aufgerufener musste vor dem Pult stehen und wurde abgefragt. Das Ende des Verhörs war meistens: "Das ist natürlich nicht genügend. Setz Dich, Schwachkopf! Fünf!"

"Früher hätten sich solche Leute wie ihr nicht getraut, an der Schule vorbeizulaufen, geschweige denn, sie zu besuchen! Werdet Metzger, Bäcker, Schreiner! Für einen geistigen Beruf seid ihr untauglich! Ich kenne einen Metzger, der hat fünf Häuser."









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Hannelore Hoher  besuchte ab 1955 für zwei Jahre die Kaufmännische Handelsschule, die zunächst in der Keplerstraße, später in der Riedleparkstraße/Maybachstrasse war. Sie hatte keine Schreibmaschine zuhause und war auch sehr schlecht im Maschinenschreiben war: Die Hausaufgaben seien oft benotet worden, sie habe schnell vor dem Unterricht geschrieben – auf alten Maschinen, teilweise aus den 30er Jahren. „Diese, mit den runden Tasten die oft hängen blieben“, erinnert sie sich. Für den damaligen Schulleiter, Oberstudienrat Zimmermann, „durfte“ sie dreimal in der Woche Schreibarbeiten erledigen und Briefe an Eltern oder Stadt schreiben. „Er meinte es sicher gut mit mir“, so Hoher, dennoch habe sie später nie gerne Schreibmaschine geschrieben.

„Wenn ich an Herrn Zimmermann denke, muss ich innerlich lächeln. Er hatte im Winter Gummi-Überschuhe mit Druckknöpfen, die er nicht selbst zumachen konnte. Er holte mich dann aus dem Unterricht und ich machte sie zu, durfte aber nie den anderen sagen, was er eigentlich von mir wollte.“

Auf die Frage, ob sie gerne zur Schule gegangen sei, antwortet sie „Ja und nein“. Während noch in der Volksschule in Meckenbeuren, ein „unwürdiger Unterschied“ zwischen den Konfessionen gemacht worden sei – „evangelisch“ war bei Schülern und Lehrer „zweite Klasse“ und nicht einmal der Schulhof durfte gemeinsam genutzt werden – spielte das auf der Handelsschule keine Rolle mehr. Doch auch hier habe sie Lehrer erlebt, die sehr ungerecht gewesen seien. „Wir hatten sehr viel Respekt vor unseren Lehrern! Daher trauten wir uns auch nicht Scherze zu machen.“

Eine Ausnahme sei der Oberstudiendirektor Prasser gewesen. Als Hohers 2010 eine Tag der offenen Tür im hofeigenen Festraum hatten, sei er auf einmal unter der Türe gestanden. „Meine Freude war riesengroß. Er hat ein bewundernswertes Gedächtnis und kannte noch viele Namen der damaligen Schüler.“ 1957 machte Hoher ihren Abschluss, die damalige Abschlusszeitung hatte ihr Prasser bei seinem Besuch mitgebracht.

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Entstanden mit freundlicher Unterstützung von der Facebook-Gruppe "Friedrichshafen - gestern, damals, heute"

Besonderen Dank an alle Zeitzeugen

Text: Anja Reichert

Fotos: Privat, Archiv und Anja Reichert

Videobearbeitung: Alexander Kurreck.

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Übersicht

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Kapitel 1 Einleitung

Schulmuseum2
Kapitel 2 Das Schulmuseum

Schulmuseum1

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Kapitel 3 Margarete Westerholt

Westerholt1

Westerholt3
Kapitel 4

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Kapitel 5

1950 eallgaier

Schulmuseum3
Kapitel 6

1957 hannelore hoher kaufm%c3%a4nnische handelsschule
Kapitel 7

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