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Pablo Escobars langer Schatten

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Die Bewohner des Departamento Antioquia gelten als die Schwaben Kolumbiens: fleißig, geschäftstüchtig und erfinderisch. Sogar ihre Landeshauptstadt ist der schwäbischen nicht unähnlich. In einem Talkessel gelegen florieren in Medellín Textil- und Schwerindustrie.

Als sich in den 1970er-Jahren ein kleiner Zigarettenschmuggler aufmacht, die Stadt im Nordwesten Kolumbiens zur weltweiten Zentrale des Kokainhandels auszubauen, steht Medellín an einem Wendepunkt in seiner Geschichte.

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Der Mann, der hier so freundlich lächelt, hat mehr als 3000 Menschen auf dem Gewissen. Manche Bewohner Medellíns erinnern sich hingegen lieber an die 500 Sozialwohnungen, die der Drogenmilliardär Pablo Escobar einst in ihrer Heimat bauen ließ. Woher das Geld dafür kam, interessierte lange niemanden. Auch die Stadt nicht.

Das ändert sich 1984. Die Regierungen in Washington und Bogota erklären Escobar offen den Krieg. Tausende Menschen sterben. Das Drama endet erst im Dezember 1993, als der untergetauchte Drogenbaron mit seinem Sohn telefoniert – zu lange. Seine Verfolger, Polizisten einer kolumbianisch-amerikanischen Elitetruppe, orten den Anschluss.

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Der Oberbefehlshaber im Kampf gegen Escobars Erbe heißt César Hernández, ein leicht untersetzter Mann Anfang 40, mit buschigen Augenbrauen und Dreitagebart. Seit August 2016 ist er Medellíns Stadtbaudirektor. Seine Gegner sind Armut und Drogenkriminalität, seine Waffen Flächennutzungspläne und Straßenbahnen.

Die Offensiven gegen Medellíns Drogenbosse plant er im 17. Stock eines grauen Hochhausriegels der Stadtverwaltung. Von dort hat er einen guten Blick auf die zahllosen unverputzten Ziegelhäuser, die scheinbar unkontrolliert den Talkessel hinaufwuchern. 



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Es klingt paradox, aber in den ärmlichen Hüttensiedlungen Medellíns leben Kriminelle heute länger. „Die  Lebenserwartung von Menschen, die in gewalttätige Konflikte verwickelt sind, ist in den vergangenen Jahren von 21 auf 32 Jahre gestiegen“, sagt Hernández – auch eine Folge des radikalen Politikwechsels unter Medellíns Bürgermeister Sergio Fajardo im Jahr 2004,  ist der Stadtplaner überzeugt.

Statt einer Spirale aus Gewalt und Gegengewalt, hinterließ die Stadt in ihren Problemvierteln jetzt Seilbahnstützen und Straßenahnschienen. Unter dem Motto „Den Ärmsten nur das Beste“ folgten avantgardistische Kindergärten, futuristische Bibliotheken und eine 400 Meter lange Rolltreppe. Heute zählen die imposanten Bauwerke zu den Sehenswürdigkeiten der 2,4-Millionen-Einwohner-Stadt.

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Video: Mit Seilbahn & Tram vom Problembezirk ins Zentrum

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Statt gefährlichste Stadt der Welt trägt Medellín heute den Titel „innovativste Stadt der Welt“, verliehen von Citigroup und Wall Street Journal. Textil- und Schönheitsindustrie schaffen Wohlstand – und die Verwaltung greift weiterhin tief in die Stadtkasse, um die Infrastruktur auszubauen.

Spuren des Drogenkriegs finden sich kaum noch. Die Mordrate liegt inzwischen unter dem Landesdurchschnitt.

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Vorher-Nachher-Bild: Weniger Gewalt, höhere Mieten

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An den Verkehrsachsen, wo Metro, Tram und Seilbahn sich treffen, hat die Stadt Bibliotheken und Nachbarschaftszentren bauen lassen. Unterhalb der Seilbahnstützen wurden schmucklosen Fassaden aufgehübscht, neue Geschäfte siedelten sich an. Die anfängliche Skepsis der Bewohner wich einem neuen Zugehörigkeitsgefühl.

Die Folge: weniger Gewalt, aber auch höhere Mieten.

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Video: Mit der Rolltreppe durch die Comuna 13

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Von den höheren Mieten profitieren Alteingesessene wie Ladenbesitzerin Dona Consuelo. Mitten in der ehemaligen Gangsterhochburg Comuna 13, wo sich einst rivalisierende Gangs, Paramilitärs und Armee bekämpften, verkauft sie heute Mango-Eis und Turnschuhe an Touristen.

Die kommen vor allem wegen der Rolltreppe, die sich durch ein steil ansteigendes Labyrinth aus bunten Backsteinhäusern schlängelt. „Die Treppe hat alles verändert. Früher brauchten ältere Leute Stunden von unten nach oben“, sagt Consuelo.

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Escobars Grab hingegen sucht man vergebens in den Hochglanz-Broschüren der Stadt. Südlich von Medellín in Itagüí gelegen, zieht es bis heute alte Weggefährten und Touristen an. Täglich liegen hier frische Blumen. Ihren Teil dazu beigetragen haben dürfte die US-Serie „Narcos“: In 20 Episoden erzählt sie vom Aufstieg und Fall des Drogenbarons.

„Die Serie ist eine Katastrophe. Wir arbeiten seit Jahren an einem neuen Image – und dann kommt so was“, klagt ein Mitarbeiter der städtischen Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit (ACI). Beim Stichwort Itagüí spricht man dort viel lieber über die gleichnamige Metrostation. Oder die Kläranlage nicht weit von hier. 

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Über die dunkle Seite von Kolumbiens Mustermetropole reden die Mitarbeiter der Stadtverwaltung nicht so gerne. Man findet sie unweit von Dona Consuelos Eisdiele und der schicken Rolltreppe in der Comuna 13 – dort, wo bei einer blutigen Militäraktion im Jahr 2003 Dutzende Zivilisten starben und Hunderte spurlos verschwanden. Hier kontrollieren immer noch Gangs und neo-paramilitärische Gruppen das Viertel. Diese trugen ihre Revierkämpfe unlängst wieder offener aus.

Das spiegelt sich auch in der Mordrate wider: Jahrelang im freien Fall, wurden 2016 erstmals wieder mehr Menschen Opfer von Gewaltverbrechen. „Jugendliche können immer noch leicht in eine Spirale der Gewalt hineingezogen werden“, mahnt César Hernández. Denn auch der Stadtplaner weiß: Escobar mag schon seit einem Vierteljahrhundert tot sein. Doch der Kampf gegen dessen Erbe ist noch nicht zu Ende.

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Redaktion

Simon Haas

Videos, Fotos und Grafik
Simon Haas

Archiv
RCN TV, Programar TV, Caracol TV,  Policía Nacional de Colombia,  Harvard GSD, Raul Arboleda/AFP, David Gannon/AFP, Bluephoto Agency/imago ACI Medellín

Musik
„Kombucha Drone“ – Unicorn Heads
„Barranquilla Tiene Un Swing“ – Frank Guerrero

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