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Unterführung Langenweg Lindau

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Es beginnt ein neues Kapitel beim Verkehr in Lindau. Ab Freitag, 18. Mai 2018, ist die Insel  erstmals überhaupt ganz ohne Hindernisse zu erreichen. Denn am Langenweg wird die Unterführung unter den Bahngleisen eingeweiht. Damit findet auch ein jahrzehntelanger Kampf der Lindauer ein Ende. Denn seit über hundert Jahren gab es immer wieder Pläne, wechselweise für eine Brücke oder eine Unterführung.

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Der berühmte Münchner Architekt Friedrich von Thiersch soll bereits in den Jahren 1914/15 erste Pläne gemacht haben. Auf einer seiner Skizzen ist deutlich zu sehen, dass der Bahnverkehr am Langenweg über eine Brücke gelenkt wird. Die Zeichnung ist wohl wegen des gerade ausgebrochenen Ersten Weltkriegs nicht weiter diskutiert worden.

Seit den 60er und 70er Jahren haben die Lindauer dann immer wieder das Ende der Schranken vor der Insel diskutiert. Allerdings konnten sie sich nie einigen, ob sie nun unter den Schienen durch oder oben drüber wollten. Seit Beginn der 90er Jahre hat der Stadtrat wiederholt Unterführungen beschlossen.

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Der Lindauer Stadtrat traf 1993 einen Grundsatzbeschluss zur Beseitigung der Bahnübergänge am Langenweg und an der Bregenzer Straße.

Doch auch jetzt war es noch ein langer Weg bis zum Baubeginn. Es gab Diskussionen um verschiedene Planungsvarianten, Kosten und Fördermittel. Ende der 1990er-Jahre verstärkte sich die grundsätzliche Diskussion über die Zukunft des Bahnknotens Lindau, nachdem die Deutsche Bahn AG vorgeschlagen hatte, den Inselbahnhof aufzugeben und einen neuen Hauptbahnhof in Reutin zu bauen. 

Nachdem dann aber die Grundsatzentscheidung für die so genannte „Zwei-Bahnhofs-Lösung“ getroffen worden war, gab es auch für den Langenweg Planungssicherheit. 

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Weil Fachleute seit Beginn der 90er Jahre immer wieder eine Unterführung am Langenweg als die bessere Lösung vorgestellt haben, hat auch der Stadtrat diese mehrfach beschlossen. Doch ein Teil der Bürger war immer überzeugt, dass eine Brücke besser wäre. So ist es 2012 zum Bürgerentscheid gekommen.

Die Bürgerinitiative lehnte die Unterführung ab, weil sie diese für zu teuer hielt. Außerdem sei der Einschnitt zu groß. Die Stadt hielt dem entgegen, dass nach Berechnungen aller Fachleute die Unterführung billiger sei als eine Brücke. 




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Der Wahlkampf ging über knapp zwei Monate. An der Abstimmung beteiligten sich schließlich aber nur gut 5100 Lindauer, das war gerade gut ein Viertel der Wahlberechtigten. Und von den Wählern stimmten fast 3000 für die Unterführung, nur gut 2000 für eine Brücke.

OB, Stadtratsmehrheit und Bahn AG freuten sich über den Rückenwind. Doch dann gestaltete sich die Planung viel aufwendiger als gedacht, zumal das Eisenbahnbundesamt Nachbesserungen forderte. Nach diesem Hin und Her gab es erst im Februar 2015 den Planfeststellungsbeschluss und damit Baurecht. 

Dann klagten Anlieger gegen die Planung. Ein Gericht stoppte die Bauarbeiten, so dauerte es bis zum Sommer 2016. Nachdem sich die Stadt mit den Klägern auf Nachbesserungen geeinigt hatte, ging es nach vorbereitenden Arbeiten also im Oktober 2016 mit dem offiziellen Spatenstich wirklich los.

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Am 24. Oktober 2016 war es dann so weit: Verkehrsminister Joachim Herrmann ist zum feierlichen Spatenstich für den Ausbau des Bahnknotens Lindau gekommen. Damit begannen auch die Bauarbeiten am Langenweg. Der Bau ging danach zügig voran.

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Fast zwei Jahre haben Bauarbeiter an der Langenweg-Baustelle gearbeitet. Im Großen und Ganzen war alles immer im Zeitplan. Trotzdem haben sich während der langen Bauzeit kleinere und auch größere Dramen abgespielt. Und für die Projektverantwortlichen gab es die eine oder andere Zitterpartie.

Der Startschuss zum Bau der Unterführung fiel im August 2016. Die erste spürbare Veränderung für die Lindauer war, dass die Längsparkplätze in der Kolpingstraße weggefallen sind. Reisebusse mussten von nun an in der Bregenzer Straße oder der Ladestraße halten. Bereits einen Monat nach Beginn der Bauarbeiten kam es zu einem schrecklichen Unfall: Ein Arbeiter wollte mit einem Kran eine Kabelrolle abladen, als das Seil riss und die Kabelrolle auf sein Bein fiel. Der Mann verletzte sich dabei schwer.


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Im Februar kam es auf der Baustelle zu einem Gasalarm. Baggerfahrer hatten eine alte Gasleitung freigelegt und zerteilt. Eine Passantin bemerkte wenig später Gasgeruch und rief die Polizei.
Nur einen Monat später schlug ein Baggerfahrer bei der Polizei Alarm. Er glaubte, mit seiner Schaufel Munition freigelegt zu haben. Glücklicherweise handelte es sich lediglich um einen Stein, der wie Munition aussah.

Im Frühjahr und Sommer bauten die Arbeiter dann die neue Straße und hoben die große Baugrube aus, in der die 3500 Tonnen schwere Unterführung entstand. Außerdem setzten sie die Strommasten für die Elektrifizierung der Strecke. In dieser Zeit trieben Diebe ihr Unwesen auf der Baustelle: Sie klauten Stromkabel im Wert von 4000 Euro und versuchten, Baucontainer aufzuhebeln – was ihnen zum Glück nicht gelang.


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Ende August begann dann die große Zitterpartie. Nur zehn Tage lang war die Bahnstrecke gesperrt. In dieser Zeit mussten die Bauarbeiter über Hydraulikpressen die riesige Unterführung an die richtige Stelle ziehen, Schienen verlegen und das Bauwerk mit Beton und Kies hinterfüllen.

Doch dann begann es plötzlich, heftig zu regnen. Und während des Einschubs fiel plötzlich eine Hydraulikpresse aus. 

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Ganz knapp schafften es die Bauarbeiter, die Überführung an die richtige Stelle zu rücken. Und der erste Zug konnte pünktlich über die neuen Schienen rollen. 

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Direkt vor dem Parkplatz ging es in die Tiefe, auch über Langenweg und Hundweilerstraße gab es kein Durchkommen mehr: Das Kleine Haus, Atelier und Café, war während der Bauarbeiten wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten. Statt Freunden des Kunsthandwerks besuchten nun di Bauarbeiter Kay und Renate Stade. Für sie hatte Kay Stade extra einen Glocke aufgestellt, damit sie ihren Coffee to go oder ihre Cola bestellen konnten. Die bekamen sie dann durchs Fenster gereicht, damit sie mit ihren dreckigen Stiefeln nicht alles schmutzig machten. 

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Bauzeit: August 2016 – Mai 2018 

Brücke: 38m Länge, 17m Breite, 4,50m Höhe

Gewicht: 3500 Tonnen

Erforderlicher Aushub: rund 18.000 Kubikmeter

Gesamtkosten: rund 16 Millionen Euro

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Die Eisenbahnüberführung ist seit dem 7. September 2017  für den Zugverkehr befahrbar.

Nach Herstellung der Zufahrtsstraßen durch die Stadt Lindau wird die Unterführung für den Straßenverkehr nun am 18. Mai 2018 freigegeben.

Fahren Sie hier virtuell durch die neue Unterführung. 

Quelle: youtube.com/Stadt Lindau (B)

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Nach der Eröffnung der Unterführung Langenweg steht schon das nächste Projekt an: Der Bahnübergang an der Bregenzer Straße soll durch eine Unterführung für Fußgänger, Radfahrer und Rettungsfahrzeuge ersetzt werden (Visualisierung der Stadt Lindau im Hintergrund).

Langenweg und Bregenzer Straße sind jedoch eigentlich nur der Auftakt für den grundlegenden Umbau des Bahnknotens Lindau. Derzeit laufen bereits die Bauarbeiten für den Neubau der Thierschbrücke. Im Dezember 2020 soll dann der neue Bahnhof für den Fern- und Regionalverkehr in Lindau-Reutin eröffnet werden.


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Storytelling 
Helena Golz

Texte

Dirk Augustin, Julia Baumann, Yvonne Roither

Fotos 
Christian Flemming
Stadt Lindau

Videos

Julia Baumann
Stadt Lindau

Verantwortlich:
Yannick Dillinger
Copyright: Schwäbische Zeitung 2018 - alle Rechte vorbehalten

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