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Los geht's

Der Streetart auf der Spur

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Einstieg

Bereits seit 17 Jahren findet in Stavanger, der viertgrößten Stadt Norwegens, das „Nuart-Festival“ statt. Dieses Streetart-Festival wurde vom Künstler Martyn Reed, der aus Stavanger kommt, ins Leben gerufen, um den Ruf der Stadt im Südwesten Norwegens zu verbessern. Sie erlangte als Zentrum der Ölindustrie Berühmtheit. Durch die bunten, teils haushohen Gemälde sollten die weniger beliebten Stadtviertel aufgewertet werden und einen neuen Anstrich bekommen. In diesem Jahr ist das Festival vom 6. bis 9. September in ganz Stavanger. Die Kunstwerke sind das gesamte Jahr über zu sehen. SZ-Volontärin Maike Woydt hat sich auf die Spurensuche des norwegischen Künstlers Martin Whatson begeben.
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Martin Whatson ist ein norwegischer Streetart-Künstler, der in Oslo lebt und dort aufgewachsen ist. Bereits in den frühen 90er-Jahren war der Straßenkünstler in der aufkommenden Graffiti-Szene in seiner Heimatstadt aktiv. Damals hatte die Szene noch keinerlei Anerkennung. Doch Whatson machte mit seiner Kunst weiter und entwickelte zunehmend seinen eigenen Stil. Etwa zehn Jahre nach seinen Anfängen entdeckte er Schablonen, also sogenannte Stencils, für sich. Heute haben seine Kunstwerke eine unverwechselbare Ästhetik. Das merkte ich bei meiner Spurensuche schnell.
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Laut Martin Whatson sind rund zehn große und kleine Gemälde von ihm in Stavanger zu sehen. Neben einem Abbild der David-Statue von Michelangelo, einer Gemeinschaftsarbeit mit einer andere Künstlerin, einem Mann mit Hut, einer tanzenden Frau und einer Person an einem Fenster, gebe es noch einige Werke mehr. Die Stadt sei wie ein "Outdoor-Museum", dort gebe es noch so manche Überraschung zu entdecken.
Durch das Streetart-Festival habe er die Möglichkeit gehabt richtig in die Welt der Straßenkunst einzutauchen, dadurch sei die Presse auf ihn aufmerksam geworden und seine Karriere als Straßenkünstler sei dadurch erst richtig in Gang gekommen. Am Festival teilzunehmen ist laut Martin Whatson eine Ehre. Man könne einfach nicht absagen. Er hat inzwischen zum dritten Mal am Festival teilgenommen.
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Der erste Tag

Beim Frühstück plane ich im Scandic Stavanger City Hotel meine beiden Tage: Ziel ist es, möglichst viele Kunstwerke von Martin Whatson und von anderen Streetart-Künstlern zu finden, ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd.
An der Wand des Frühstücksraums fällt mir ein kleines Zebra an der Wand auf. Es ist offensichtlich die Arbeit eines Streetart-Künstlers. Von wem das wohl ist? Durch das kleine Gemälde an der Wand, wächst die Vorfreude auf die bevorstehende Spurensuche weiter.
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Laut Martin Whatson soll eines der Kunstwerke in der Seitenstraße hinter dem Hotel sein. Dort ist an der Wand ein fast haushohes Gemälde. Es zeigt einen jungen Mann mit einer Mütze, der scheinbar ein Stück der Tapete oder der Wand herunter zieht, und so etwas verstecktes zum Vorschein bringt. Deshalb heißt es auch "die Enthüllung". Es sei eines seiner Lieblingskunstwerke, sagt Whatson. Da er jede Menge besondere Erinnerungen an die Zeit hat, als es entstanden ist. Whatson hat es bereits im Herbst 2014 während des "Nuart-Festivals" gemalt. Es sei eine tolle Woche gewesen, so Whatson. Es hätte kaum geregnet, was in Stavanger selten sei. Außerdem habe er mit zwei guten Freunden aus Thailand - Alex Face und Mue Bon zusammengearbeitet. Das hätte ihm viel Spaß gemacht.
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Auf dem Weg zur Innenstadt, entdeckt man immer wieder kleinere und größere Kunstwerke. Eines fasziniert mich besonders: Es zeigt den Schriftzug "Vier Alle Like". Es handelt sich um kleine Fliesen, die  auf die Wand aufgeklebt wurden. Das Wort "Like" ist in regenbogenfarbigen Fliesen gelegt, die mit Symbolen wie Totenköpfen, Fischen und Herzen verziert sind.
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Marisa Molin, eine der Organisatoren des "Nuart-Festivals" zeigt mir die wichtigsten Kunstwerke in der Innenstadt. Viele der Gemälde findet man als Ortsunkundiger ohne eine Führung gar nicht so leicht. Die meisten sind in Hinterhöfen oder kleineren Seitenstraßen versteckt. Von der Stadtbibliothek aus, hat man aber bereits den besten Ausgangspunkt, um möglichst viele der Streetart-Kunstwerke zu sehen.
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Das erste entdecken wir direkt in der Nähe der Bibliothek. Es zeigt einen Mann, der sich hinter einem roten Aktenordner versteckt. Vom Stil her erinnert es an den britischen Streetart-Künstler Banksy, der zum Beispiel das Mädchen mit Luftballon gemalt hat.Dieses Kunstwerk wurde allerdings vom norwegischen Künstler DotDotDot gemalt, verrät Marisa. Er sei ein regelmäßiger Gast beim "Nuart-Festival", der in Stavanger noch einige Kunstwerke mehr hinterlassen hat.
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Ein Kunstwerk mag Marisa Molin in der Innenstadt besonders. Es zeigt ein Gesicht. Dieses ist mit einer ganz speziellen Technik auf die Hauswand aufgebracht. Teile des Hausverputzes wurden abgetragen, sodass der nackte Ziegelstein zum Vorschein kommt. „Meist stellen die Hausbesitzer ihre Wände freiwillig zur Verfügung. So auch in diesem Fall“, sagt Molin. Als der Besitzer jedoch gesehen hatte, wie der Künstler arbeitet, sei ihm doch anders geworden. Inzwischen habe er sich aber daran gewöhnt.
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Unsere Tour durch Stavanger endet in der „Nuart-Gallery“ in der Salvågergata in der Innenstadt Stavangers. Diese betreut Mariella Della Puppa Zorz. In der „Nuart-Gallery“ haben Künstler des Festivals aber auch regionale Künstler, die noch nicht so bekannt sind, die Möglichkeit ihre Stücke zu zeigen. Aktuell ist dort eine Ausstellung mit dem Titel "Urban Art Norway" zu sehen. Sie vereint verschiedene norwegische Künstler und deren Stile miteinander. Meist handelt es sich um "Stencils". Das sind Gemälde, die mittels einer Schablone gemacht werden. Eine Künstlerin arbeitet aber auch mit Fotovorlagen, während ein anderer zum Beispiel Klemmbretter für seine Kunst verwendet.
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Unter den vielen verschiedenen Werken hat Mariella Della Puppa Zorz auch ein Kunstwerk von Martin Whatson ausgestellt. Es zeigt einen jungen Mann mit einem Cello. Langsam erkenne ich den typischen Stil in Whatsons Bildern. Die Menschen sind in schlichten Weiß-, Schwarz- und Grautönen gehalten und es gibt immer ein Element, das das Bild besonders und farbig macht. In diesem Fall ist das Cello über und über mit bunten Symbolen, Formen und Worten bemalt. 
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Die Galerie wurde bereits 2012 eröffnet. Es sollte ein Weg sein das Festival zu unterstützen, erklärt Mariella Della Puppa Zorz. Allerdings sei es keine typische Kunstgalerie, sondern mehr ein Raum für verschiedene Projekte. "Neben Ausstellungen von bekannten Streetart-Künstlern werden auch lokale Künstler gezeigt", sagt Mariella Della Puppa Zorz. Diese bekommen dadurch die Möglichkeit ihr Können unter Beweis zu stellen. Meist wechseln die Ausstellungen jeden Monat.

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Wenn man die "Nuart-Galerie" in Richtung Østervåg verlässt, ist schräg gegenüber in Lebensgröße das Abbild von Michelangelos David gemalt. Im typischen Stil Martin Whatsons ist der sehr schlichte in grau und weiß gehaltene David über und über mit bunten Symbolen und Zeichen bedeckt. An der Signatur erkennt man, dass dieses Kunstwerk von Whatson sein muss. "David" hat er bereits im Mai 2013 mit Hilfe einer Schablone auf die Wand gebracht und anschließend darüber gesprayt.
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Einer der wichtigsten Orte des Festival ist die sogenannte "Tou Scene Bierhalle", erklärt Martin Whatson. Während des Festivals kommen dort alle Künstler zusammen und bemalen diese. Es sei das soziale Zentrum während des "Nuart-Festivals", das es erleichtert, andere Künstler und die Veranstalter kennenzulernen. Dank der genauen Beschreibung von Marisa Molin und Google Maps ist es recht einfach den Weg zu finden.
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Die wichtigste Straße, um ans Ziel zu gelangen ist die "Pedersgata". Diese führt von der Innenstadt in Richtung des Industriegebiets, in dem das Festival seinen Ausganspunkt hat. Auf dem Weg finden sich immer wieder kleinere und größere Kunstwerke, die auf ihre ganz eigene Art besonders sind: Kleine Bauarbeiter verstecken sich überall entlang meines Weges, der deutsche Künstler Evol hat Stromkästen in Hochhäuser verwandelt und die Ratte von Hama Woods trägt gerne eine Clownsnase und einen Hut.
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Die "Tou Scene", ein altes Fabrikgelände,  ist an diesem Nachmittag komplett verlassen. Im Schneegestöber wirkt die Backsteinhalle trostlos und einsam. Nur durch die bunten Gemälde an den Wänden bekommt das Gelände etwas vertrautes und lebensfrohes. Und in meinem Kopf formt sich ein wages Bild des Festivals. Vor meinem inneren Auge sehe ich ausgelassene, fröhliche Menschen, die sich von den bunten und ausdrucksstarken Gemälden begeistern lassen. Auf der anderen Seite sind die Künstler, die ebenso glücklich sind und versuchen innerhalb weniger Tage ein tolles Ergebnis an die Wände von Stavanger zu zaubern.
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Auf der Schnitzeljagd, bei der es darum geht, möglichst viele große und kleine, bunte und einfarbige Streetart-Kunstwerke zu entdecken, hat man in Stavanger leicht Erfolg. Doch mein Hauptziel ist es Gemälde von Martin Whatson zu entdecken. Und das habe ich seit ich die Nuart Gallery verlassen habe, nicht mehr. Am Hintereingang des Scandic Stavanger City Hotels sollte ich jedoch nochmal Glück haben. Neben der Glastüre an der Wand ist ein weiteres Gemälde von Martin Whatson angebracht. Es zeigt ebenfalls die David-Statue. Allerdings ist es auf eine Tafel und nicht direkt auf die Wand gemalt.
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Der zweite Tag

Auf der Liste für den zweiten Tag in Stavanger stehen noch einige Kunstwerke von Martin Whatson, die es zu finden gilt. Außerdem soll es in Sandnes, einer kleineren Stadt etwa 15 Kilometer südlich von Stavanger, ebenfalls einige Streetart-Kunstwerke geben. Und in der Innenstadt Stavangers verkehren neuerdings buntbemalte Streetart-Busse, die dort im normalen öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind. Einer wurde von  Martin Whatson gestaltet.
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Nachdem ich in der Innenstadt keine weiteren Kunstwerke von Martin Whatson finden kann, gehe ich in Richtung Uferpromenade. Immer wieder sieht man dort kleinere und größere Gemälde an den Wänden. Eines zeigt einen Arm, vermutlich von einer Playmobil-Figur, der durchgebrochen ist. Was will der Künstler Ampparito damit wohl ausdrücken?
Während ich über dieses eine Gemälde nachdenke, schaue ich hinaus auf das Wasser. Auf der anderen Seite des Hafens ist an einer Wand eines der gesuchten Bilder von Martin Whatson.
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An einer Hauswand ist ein meterhohes Gesicht gemalt. Dieses Kunstwerk hatte Martin Whatson im vergangenen Jahr gemeinsam mit der kanadischen Künstlerin Sandra Chevrier gemalt. In einem Video haben sie die Fortschritte des Gemäldes festgehalten. Detailgenau sieht man darin, wie das Gesicht mit offenem Mund entstanden ist.
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Eines der neueren Streetart-Kunstwerke von Martin Whatson in Zusammenarbeit mit der kanadischen Künstlerin Sandra Chevrier

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Vom Hafen aus geht es zurück in die Innenstadt von Stavanger. Mit Hilfe von Fotos, die auf Instagram zu finden sind, frage ich die Menschen auf der Straße nach den Gemälden von Martin Whatson. Doch keiner kann helfen. Etwas frustriert gehe ich in Richtung Busbahnhof, um von dort aus mit dem Bus Nummer sechs nach Sandnes zu fahren. Dieser ist, wie es der Zufall so will, ein Streetart-Bus und ausgerechnet dieser, den Martin Whatson gestaltet hat. "Die Busse sind jedoch nicht direkt bemalt, sondern mit einer speziellen Vinylschicht überzogen", erklärt Martin Whatson. Heute fährt Busfahrer Frithjof Schøyen den bunten Streetart-Bus.
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Insgesamt gibt es schon sechs verschiedene Streetart-Busse, die von  nationalen und internationalen Künstlern gestaltet wurden und für den Busunternehmer Kolumbus fahren.
Neben Martin Whatson haben unter anderem auch die bekannteste norwegische Stencil-Künstlerin, Hama Woods, sowie Ampparito aus Spanien einen Bus gestaltet. Die Organisatoren von Nuart wollen damit Stavanger noch mehr zu "Kunststadt" etablieren. In diesem Projekt werden Streetart mit den Smart-City-Ideen der Stadt verknüpft.
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Heute fährt Busfahrer Frithjof Schøyen den bunten Streetart-Bus. Er nimmt mich mit nach Sandnes.

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Der gesamte "Nuart Sandnes Art Trail" ist über die Homepage des Festivals auf einer Karte abrufbar. Damit fällt es leicht, die verschiedenen Kunstwerke zu finden. Neben einer Unterwasserlandschaft mit Tauchern des polnischen Künstlers M-City, gibt es auch zwei Gemälde von Hama Woods. Das eine zeigt eine Giraffe, das andere zwei Ratten an einem Seil.  Martin Whatson hat hier selbst nicht daran mitgewirkt. Eigentlich hätte er im vergangenen Jahr dort malen sollen, doch dazu sei es nie gekommen, so Whatson.
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Leider ist es gar nicht so leicht die Kunstwerke von Martin Whatson zu finden. Neben dem Mann mit Hut und dem Flugzeug am Hubschrauber habe ich auch die Figur am Fenster und die tanzende Frau nicht gefunden. Traurig gehe ich am letzten Morgen zum Frühstück. Wieder war nur der eine Platz rechts in der Ecke, neben dem kleinen bunten Zebra an der Wand, frei. Der Stil des Zebras glich verdächtig dem der anderen Kunstwerke von Whatson und bei genauerem Hinsehen entdecke ich schließlich auch seine Signatur. Ich hatte bereits von Anfang an einen Punkt mehr gehabt.
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Impressum

Redaktion: Maike Woydt

Fotos: Maike Woydt, Fredrik Bornø Haukebøe, Brian Tallmann

Video: Maike Woydt, Youtube/ Martin Whatson         
Sprecher: Marcus Fey


Das Interview mit Martin Whatson wurde per E-Mail geführt.







Kontakt
www.schwaebische.de
Karlstraße 16
88212 Ravensburg
online@schwaebische.de


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Informationen zum Festival: www.nuartfestival.no

Scandic Stavanger City Hotel www.scandichotels.de
Reidar Berges Gate 7, 4013 Stavanger, Norwegen


Anreise nach Fjordnorwegen ab München
- Wideroe fliegt ab August drei Mal wöchtenlich nach Bergen
- SAS fliegt via Kopenhagen und/oder Oslo nach Stavanger
- Norwegian fliegt drei Mal pro Woche nach Oslo von dort aus weiter mit SAS oder Norwegian weiter nach Stavanger

Mit Unterstützung von:
Visit Norway
www.visitnorway.com
Caffamacherreihe
520355 Hamburg
Germany@innovationnorway.no

Fjord Norway www.fjordnorway.com
Torggaten 3
5014 Bergen, Norway
info@fjordnorway.com

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