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Mein Weihnachten

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O du fröhliche, O du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit - für viele ist sie die schönste Zeit des Jahres, eine Zeit für Besinnlichkeit, für Familie und Traditionen.

Wir haben außergewöhnliche Momente, kuriose Erlebnisse oder berührende Geschichten gesucht. Wie habt ihr Weihnachten erlebt? Erinnert ihr euch an besondere Geschenke und einzigartige Traditionen? Wir wollten eure Geschichten, Fotos, Videos rund um das Weihnachten von früher.

Das Ergebnis haben wir in dieser multimedialen Reportage für euch zusammengefasst, damit ihr endlich wieder sagen könnt: "Weisst du noch..."
 
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Michael Vogel 1940

Das titelte am 24.12.1940 die Friedrichshafener Zeitung. Darunter eine Aufnahme von der schneebedeckten Uferpromenade: "Ruhig und still wird es am Bodensee" lautet die Bildunterschrift. Facebook-User Michael Vogel hat zwei Fotos der Zeitungsausgabe gemacht und in der Gruppe "Friedrichshafen - damals, gestern, heute" geteilt. 

Unter dem Foto stehen Artikel, überschrieben
mit "Friedrichshafen sorgt für seine Soldaten"
und "Die Heimat grüßt die Front" - Wie erlebten die Soldaten im Jahr 1940 das Weihnachtsfest? Hatten die jungen Männer dennoch diese "weihnachtlichen" Gefühle?
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Kurt Jetter 1946

Winter 1946: Kurt Jetter und sein Kumpel sind im Seewald, um einen Christbaum zu stehlen. „Das Umsägen war kein Problem, aber der Transport – da haben wir gar nicht nachgedacht.“ Ein prägendes, einmaliges Erlebnis für die Jugendlichen. 

Rückblick: Jetter arbeitete beim Polsterer. Weil es kein Material gab, wurde das Billigste genommen, um Matratzen zu machen: Seegras. Also ist Jetter einige Wochen vor Weihnachten mit anderen im Wald und erntete das Gras. „Ich habe zwei Bäume ausgesucht und mit meinem Freund beschlossen, dass wir vor Weihnachten die Bäume holen.“

Aber es schneite: Sie fanden weder Weg noch Bäume. Also wählten die Jugendlichen zwei andere Bäume, sägten sie zurecht, banden sie mit Schnüren zusammen, gingen Richtung Stadt.

Wenn sich das schlechte Gewissen meldet 

Plötzlich kommt ihnen jemand entgegen. Der erste Gedanke war, dass es ein Förster ist. Der Plan: „Wenn es ein Förster ist, rennst du in die eine, ich in die andere Richtung und die Christbäume lassen wir liegen. Es war aber einer, der die Säge unterm Arm hatte, da wussten wir was er vorhatte.“

Dennoch bleibt ein ungutes Gefühl: „Jetzt kommst du aus dem Wald, mit einem Christbaum – da weiß jeder, dass der geklaut ist. Die Angst saß uns im Nacken, das schlechte Gewissen hat uns geplagt, da haben wir uns geschworen, dass wir das nie wieder machen."
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Klaus Peiler um 1955

Klaus Peiler berichtet von seiner Kindheit und erinnert sich besonders gern an die Vorweihnachtszeit: „Da mein Vater bei den stationierten Franzosen in der C.R.A.S. beschäftigt war, gab es im Dezember immer wieder mal einen Karton mit Navel-Orangen. In dieser damaligen Zeit! Süß, saftig, reif und das Ganze zum Sattessen. Unvergessen bis heute.

Das absolute Highlight im Vorschulalter war für mich jedoch die „Französische Bescherung“. Jedes Jahr hat die C.R.A.S. die Familien ihrer deutschen Mitarbeiter zu einem weihnachtlichen Nachmittag in die dortige Kantine eingeladen.“

Wie im Schlaraffenland

Peiler berichtet von den Jahren 1955 bis 1957, als er zwischen vier und sechs Jahren alt war. „Ein riesiger, über und über bunt geschmückter Weihnachtsbaum, brennende Kerzen auf den festlichen Tischen, Lebkuchen, "Brödla" und heißer Kakao für uns Kinder - so viel man wollte oder konnte. Wie im Schlaraffenland. Dazu französische und deutsche Weihnachtslieder“, erinnert sich Peiler. Die Weihnachtsfeier sei immer zwischen dem dritten und vierten Advent gewesen... 

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...Und zum krönenden Abschluss ging auf der kleinen Bühne der Vorhang auf und es zeigte einen riesigen Berg aus verpackten Geschenken. Diese waren mit Schleifchen und Bändern verziert, waren lang und schmal, groß und klein. Man konnte deshalb nicht abschätzen, was drin ist. Die Spannung wuchs für uns Kinder. Als dann der französische Saint Nicolas mit seiner lautem Geschell hinter dem bunten Berg hervorkam und anschließend jedem Kind ein Päckchen übergab, da war Bescherung.

Der Heimweg, damals natürlich zu Fuß, der dann bereits im Dunkeln war, erhöhte die Spannung nochmals und führte zu einer enormen Vorfreude.Ich gehörte nämlich zu denjenigen, welche ihr Geschenk erst zuhause ausgepackt haben.Heute bin ich den französischen Verantwortlichen nach wie vor sehr dankbar für diese Erlebnisse."

(Peilers Vater war in der Buchhaltung der C.R.A.S. beschäftigt .Interne Weihnachtsfeiern haben die Franzosen bereits zugelassen und abgehalten. Die beiden Fotos zeigen eine solche Weihnachtsfeier um 1958. "Mein Vater ist derjenige mit dem weißen Mantel - wie damals für Buchhalter noch durchaus üblich - links neben dem französischen Offizier.")


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Sieglinde Schweig Ende 50er

Ihre Familie hatte nicht viel Geld da und doch war jedes Weihnachten etwas ganz besonderes für Sieglinde Schweig. Sie berichtet von einem Weihnachten Ende der 50er Jahre. Gemeinsam mit acht Geschwistern und den Eltern lebte sie in einer kleinen Wohnung. „Wir hatten wirklich nicht viel“, und doch habe der Vater immer eine besonders schöne Tanne besorgt. Die Tanne wurde aufgestellt und geschmückt und „wir Kinder waren alle schon aufgeregt und neugierig, was uns das Christkind denn so bringen würde.“

Schon in der Adventszeit verströmte der Duft von Plätzchen eine weihnachtliche Stimmung in der Wohnung. „Wir Kinder durften unserem Vater immer helfen die Plätzchen zu verzieren und zu backen. Meine Mutter hatte dafür wenig Zeit das sie sich um die Kinder kümmern musste, die ja alle noch sehr klein waren“, so Schweig.

Natürlich seien keine großen Sprünge möglich gewesen, das Geld habe gerade für Essen und Kleidung gereicht. „Trotz allem erinnere ich mich bis heute an diese Zeit und denke manchmal sehnsüchtig daran zurück. Es war einfach immer schön wenn alle Kinder zusammen am Tisch saßen, spielten und zufrieden waren – auch wenn es keine großen Geschenke gab.“

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In späteren Jahren wurde an Heilig Abend das Krippenspiel vorgeführt. „Wir waren ja dann schon elf Kinder und so waren die Rollen auch immer besetzt.“ Maria und Josef, die Hirten und Engel, jeder habe seinen Part gehabt. Und bevor das Krippenspiel nicht aufgeführt und die Weihnachtslieder gesungen, habe es auch keine Bescherung gegeben.

Gekaufte Puppe und selbst gemachter Kaufladen

Schweig erinnert sich noch an das ein oder andere Weihnachtsgeschenk – an das Weihnachten als sie und ihre Schwestern jede eine eigene Puppe bekamen, oder an das, als unter dem Christbaum ein Kaufladen gestanden habe, „bunt und schön“, den der Vater mit viel Liebe selbst gebastelt habe. Zudem erinnert sie sich an das Geschenk des Hausarztes, der jedes Jahr ein Päckchen mit Lebensmittel vor die Tür gestellt habe. „Das Schönste für uns Kinder: Für jeden eine ganze Tafel Schokolade.“

Natürlich sei es als Kind nicht immer einfach gewesen, berichtet Schweig, haben andere Kinder Geschenke bekommen, die wir uns einfach nicht leisten konnten. „Natürlich hast du das als Kind nicht immer verstanden, aber heute bin ich selbst schon Mutter von zwei erwachsenen Kindern, habe zwei Enkelkinder und denke gerne an meine Jugend zurück – auch wenn es nicht immer einfach war.“ Manchmal wünsche sie sich Weihnachten in seiner alten Form zurück: „Ohne Hektik, Stress und Konsumdenken. Sondern einfach ein Fest der Liebe, der Familie und Besinnlichkeit.“
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Wolfgang Dietenberger um 1963

1963 ist Wolfgang Dietenberger mit seinen Eltern und Geschwistern in die Goethestraße gezogen. Direkt neben dem Wohnblock war die Baufirma Rostan. Gastarbeiter lebten dort in Baracken und einem anderen Wohnblock. Mit den Jahren näherten sich Häfler und Gastarbeiter an, lernten sich kennen.

Als Dietenberger neun Jahre alt war, habe seine Mutter, die schon immer sehr sozial gewesen sei, die Idee Gastarbeiter am zweiten Weihnachtsfeiertag zum Essen einzuladen – als einzige in dem Wohnblock.

„Sie war die treibende Kraft. Sie sagte: Die sind so allein an Weihnachten, fahren nicht nach Hause, weil der Urlaub zu kurz ist und dann sei ihr die Idee gekommen.“ Sein Vater sei einverstanden gewesen. Viele Jahre machte die Familie am Tisch Platz für zwei Gastarbeiter. „Sie hat auch so gekocht, dass diese alles essen konnten.“ Es sei immer so herzlich gewesen am Esstisch, auch wenn das Deutsch gebrochen war. „Für uns Kinder war das faszinierend. Es war irgendwie so fremd und so schön“, erzählt Dietenberger. Danach habe man sich ins Wohnzimmer gesetzt, geredet und getrunken.

Dank und Stolz 

Nach dem Sommerurlaub kamen die Gastarbeiter wieder zu Besuch und beschenkten die Mutter mit „Pantoffeln mit Glitzer – das war Wahnsinn“, erinnert sich Dietenberger. Auch als er schon älter war, habe er den ein oder anderen, der am Esstisch saß, wieder getroffen. Immer sei das Verhältnis sehr herzlich gewesen. „Den Hass heutzutage kann ich nicht verstehen“, so Dietenberger.

Noch heute empfindet er das, was seine Eltern gemacht haben, als eine großartige Leistung: „Ich bin noch heute enorm stolz auf meine Eltern. in meinen Augen haben sie sogar einen Orden verdient.“



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Elke Schwörer um 1964

Elke Schwörer schreibt auf Facebook: „Das waren noch Zeiten, als unser Vater von 1964 an noch viele Jahre den Christbaum aus dem Südschwarzwald holte. Dieser mit Stricken an den (damals noch massiven) Stoßstangen angebunden und auf dem Autodach nach Friedrichshafen transportiert wurde.

Manchmal passte der nicht durch das Treppenhaus und musste von Hand in den dritten Stock gezogen werden. Der untere Kranz war zu viel, der Baum zu hoch für 2,4 Meter Raumhöhe.“ Schwörer berichtet weiter, dass der untere Kranz abgesägt werden musste und der Baum dann Lücke hatte. Also habe einer an lichten Stellen Löcher in den Stamm gebohrt, die anderen sägten die einzufügenden Äste zu.

„Im Nachhinein betrachtet, war das die jährliche Doku-Soap im Hause Schwörer mit „da fehlen noch Lichter“, die Kugeln müssen getauscht werden – uralte Christkugeln, die wie Gummibälle hüpften und noch Kerzenwachs auf der Bemalung hatten. Ach ja: und keiner wollte im Treppenhaus und draußen die Reste, wie Nadeln, Moos, und so weiter, zusammenkehren.“
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Conny Krause

Conny Krause teilt in Facebook drei Fotos von Weihnachten in Friedrichshafen: Ein Foto aus der Maybachstraße um 1961 und zwei   Fotos aus der Hochstrasse um 1966-67. Die Fotos kommentiert sie mit "Hausmusik wunderbar - meine Mutter Gitarre, mein Bruder Triangel, meine Schwester Klavier und ich die Blockflöte." Und weiter: "Weihnachten bei uns zuhause war besinnlich, harmonisch und wunderschön. So wie wir Weihnachten erlebt haben, werden es unsere Kinder und Enkel nie mehr erleben."
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Peter Liptau 80er

Peter Liptau hat auf Facebook dieses Foto gepostet - dessen Entstehungsdatum er auf 1985 schätzt. Er schreibt dazu: "Meine Wenigkeit mit Baum und Eisenbahn." 

Gerhard Weiss kommentiert auf Facebook: „Viele Buben – zumindest mir erging es so – konnten es in den 60er Jahren gar nicht erwarten, dass in den Schaufenstern der hierfür prädestinierten Läden die Weihnachtsdekoration mit der Modelleisenbahn zu sehen war. Da wurden dann die Nasen an den Fensterscheiben plattgedrückt. Als Zugpferd dürfte da der Spielzeugladen Schinacher gegolten haben, aber auch die eine oder andere Branche, wie Konditoreien (Café Höpker) zogen mit. Eine Modelleisenbahn (damals meist von Märklin, Fleischmann oder Trix) war immer ein Zuschauermagnet im Schaufenster. Unvergesslich mit welcher Liebe und Hingabe zum Detail, damals so eine Bahn aufgebaut wurde. Aus jedem Blickwinkel und jeden Tag gab es etwas Neues zu entdecken. Da spürte man das Kind im Aufsteller, wer auch immer dekoriert hat.“
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In Zusammenarbeit mit der Facebook-Gruppe "Friedrichshafen - damals, gestern, heute" hat die Schwäbische Zeitung Zeitzeugen gesucht, die sich an besondere Ereignisse erinnern: Wir wollten Ihre Geschichten, Fotos, Videos rund um das Weihnachten von früher. Das Ergebnis waren dutzende Kommentare von Häflern, die sich im Internet erinnerten. Zahlreiche Menschen, die sich mit ihren Geschichten und Erinnerungen auch direkt bei der SZ meldeten und die ein oder andere Episode erzählten.

Vieles haben wir für Sie noch einmal in unseren Online-Storytellings zusammengefasst und angereichert.
Klicken Sie sich hier noch einmal durch die Serienteile: 

Meine Disko, meine Stadt 
Mein Franzose - Erinnerungen an die Besatzungszeit
Mein Auto - Unterwegs in der Stadt 
Meine Schule - Von Abischerz bis Klassenfahrt  
Mein Weihnachten - So war Weihnachten früher 
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Entstanden mit freundlicher Unterstützung der Facebook-Gruppe "Friedrichshafen - gestern, damals, heute".

Besonderen Dank an alle Zeitzeugen.

Text: Anja Reichert
Fotos: Privat, dpa

Schwäbische Zeitung, Chefredaktion Dr. Hendrik Groth, Karlstr. 16, 88212 Ravensburg, Email: online@schwaebische.de
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Übersicht
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Kapitel 2 Michael Vogel 1940

"Der Weihnachtsabend bricht an..."

Kapitel 3 Kurt Jetter 1946

Mit der Säge unterm Arm

Kapitel 4 Klaus Peiler um 1955

Bescherung in der CRAS

Kapitel 5 Sieglinde Schweig Ende 50er

Weihnachten ohne Hektik

Kapitel 6 Wolfgang Dietenberger um 1963

Einladung zum Essen

Kapitel 7 Elke Schwörer um 1964

"Die jährliche Doku-Soap"

Kapitel 8 Conny Krause

Wunderbare Hausmusik

Kapitel 9 Peter Liptau 80er

Begeistert von der Modellbahn

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